2020_07_26_Westliche+Zinne+-+Cassin_18.j

Alpinwissen

NOTFALLAUSRÜSTUNG

Was gehört alles zur Notfallausrüstung auf Skitouren

Eine komplette Notfallausrüstung ist besonders auf Skitouren sehr wichtig. Die Berge sind im Winter nur schwer zugänglich. Die Tage sind kurz und vor allem ist es wesentlich kälter als im Sommer. Unfälle und Verletzungen können schnell zu einer ernsten Angelegenheit werden, wo es besonders wichtig ist, in der Zeit bis Hilfe eintrifft dem Verletzten genügend wärme spenden zu können. Ein ganz besonders wichtiger Aspekt sind jedoch Lawinen. Bei einem Lawinenunfall kann sich fast nur die Gruppe selbst helfen. Der Verunglückte ist auf die Kameradenrettung angewiesen. Damit diese funktioniert, gehört die folgende Notfallausrüstung auf jeder Tour zur Standardausrüstung.

LVS Gerät

Ein sogenanntes Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (kurz LVS) gehört mittlerweile zur Standardausrüstung eines jeden Tourengehers und Freeriders. Moderne LVS Geräte haben 3 Antennen und bieten im Vergleich zu älteren Modellen deutliche Vorteile in der Suche. Mit einem LVS Gerät der alten Technologie mit Einer oder Zwei Antennen unterwegs zu sein ist sowohl für einen selbst als auch für die Kameraden unverantwortlich. Welches von den zahlreichen 3 Antennen Geräten auf dem Markt man bevorzugt ist Geschmackssache. Am besten man lässt sich in einem Fachhandel die gängigen Geräte präsentieren und entscheidet nach persönlichen Vorlieben. Das einzige was man beim Kauf nicht unbedingt machen sollte, ist ein komplett neu auf dem Markt erschienenes Gerät zu kaufen. Hier hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass es hin und wieder zu kleineren Problemen direkt nach der Markteinführung gekommen ist. Jeder Hersteller hat meistens ein Basisgerät mit den wichtigsten Funktionen, sowie eines mit zusätzlichen Funktionen im repertoire. Hier ist jeder wieder persönlich mit seinen Vorlieben gefragt. Grundsätzlich kann aber so argumentiert werden, dass je einfacher das Gerät in der Bedienung ist, sprich je weniger Schnickschnack, desto intuitiver ist es in der Bedienung. Somit gibt es auch weniger Möglichkeiten einer falschen Bedienung des Geräts. Am Ende ist lediglich wichtig, dass man sich selbst mit seinem Gerät auseinandersetzt, damit übt und die Bedienung auch in einer psychischen Extremsituation eines Ernstfalles beherrscht.

Schaufel

Das beste LVS-Geräte und eine perfekte Bedienung desgleichen nützt ohne eine Schaufel recht wenig. Einen verschütteten mit bloßen Händen aus einem steinharten Lawinenkegel zu bekommen ist ein aussichtsloses Unterfangen. Gleiches gilt für Schaufeln, die lediglich auf geringes Gewicht und Packmaß setzen. Deshalb gilt bei Lawinenschaufeln, dass sie robust ist, einen langen Stiel (idealerweise Teleskopstiel), sowie ein großes Schaufelblatt besitzt. Hier auf eine Schaufel aus Metall zu gehen, die zwar etwas schwerer, dafür aber auch um einiges robuster als Plastik ist, macht auf jeden Fall Sinn.

Sonde

Zusammen mit dem LVS Gerät und der Schaufel bildet die Lawinensonde eine untrennbare Einheit auf Skitouren. Nur eine vollständige Ausrüstung garantiert eine effiziente und schnelle Suche sowie Rettung im Ernstfall (siehe folgende Grafik). Die Sonde ermöglicht dabei die Finale sowie punktgenaue Ortung des Verschütteten und dient als Orientierungshilfe beim Graben. Mehr dazu im Kapitel LVS-Suche. Eine gute Sonde ist dabei mindestens 240 cm lang, stabil und lässt sich mittels eines Spannmechanismus schnell zusammenbauen. Sie besitzt zudem eine Skala, zum Ablesen der Verschüttungstiefe oder zum Messen der Schneehöhe.

Erste Hilfe Set

Keine Notfallausrüstung ohne Erste Hilfe Set. Was dabei alles in so ein Set gehört, lässt sich endlos diskutieren. Zudem wird man nie all das dabeihaben, was man im speziellen Notfall genau brauchen würde ohne den halben Rucksack damit zu befüllen um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Das wichtigste ist, dass man mit einem Grundsortiment möglichst viel machen kann und man in der Lage ist sich so gut wie möglich behelfsmäßig zu versorgen. Rettungskräfte sind in den Alpen in der Regel schnell vor Ort. Vor allem eine Rettungsdecke zum Spenden von Wärme und ein Grundsortiment zum Versorgen größerer Wunden sind aus keinem Erste Hilfe Set wegzudenken.

Biwaksack und Handy

Biwaksack
In den Bergen kann ein Biwaksack für eine ungeplante Nacht im freien vor allem im Winter Leben retten. Deshalb sollte zumindest auf längeren Touren wenigstens ein Biwaksack für jeweils zwei Personen dabei sein.

Handy
Zur Verständigung von Rettungskräften. Hat eigentlich jeder dabei. Was erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass der Akku bei kalten Temperaturen schnell den Geist aufgibt. Man trägt das Handy deshalb besser am Körper. Nicht jedoch in derselben Tasche oder ganz nahe am LVS Gerät, da es mitunter zu Störungen kommen kann. Ein Notruf funktioniert auch dann, wenn der eigene Mobilfunkanbieter momentan kein Netz zu bieten hat. Dann wählt sich das Handy in irgendein verfügbares Netz ein.

Alles Weitere wie Tape, Feuerzeug, Taschenmesser, kleine Reparatursets für alles Mögliche und was man sonst noch so an Empfehlungen liest sind jedem selbst und den persönlichen Vorlieben überlassen. Eine kaputte Ausrüstung kann auf einem tief verschneiten Gipfel schnell zu einem größeren Problem werden, darüber muss sich jeder im Klaren sein. Wo die Grenze zwischen Sinnvollem Equipment und sinnlosem Zusatzgewicht liegt kann nicht pauschal gesagt werden und hängt von der Tour, der Gruppe und dem generellen Zustand des Materials ab.

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