Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Skitouren im

BERNER OBERLAND

Fotos: Brunner Andreas

  • Schwarz Instagram Icon

Skidurchquerung am größten Gletscher Europas

Traumhaft schönes, wolken- und windloses Wetter für Ganze 4 Tage. Hüttenstart für die Skitourensaison auf der Finsteraarhornhütte und jede Menge unverspurter Hänge im Berner Oberland. Klingt zu schön um wahr zu sein. Aber das eine Mal hat man mehr Glück das andere Mal weniger. So wird es immer sein. Jetzt galt es nur noch diese einmaligen Bedingungen zu nutzen. Und das sollte uns gelingen.

Konkordiaplatz - Die Arena des ewigen Eises

Anreise zu 6. in aller Früh ganz klassisch mit dem VW-Bus über Mailand und den Simplonpass bis Fiesch. Pünktlich zur ersten Bergfahrt Richtung Eggishorn sind die Liftkarten gelöst und wir mischen uns unter die Skitouristen um oben angekommen auf der Hinterseite über die Märjelenseen hinunter auf die Gletscherzunge des Aletschgletschers zu fahren. Unten angekommen wird aufgefellt und es beginnt der lange flache Zustieg bis hinein zum Konkordiaplatz. Eine rießen Gletscherfläche an deren Punkt sich die großen Gletscherströme des großen Aletschfirn, des Jungfraufirn, des Ewigschneefäld und des Grüneggfirn vereinen und die Gletscherzunge des Aletschgletscher bilden. Es ist dies die größte zusammenhängende Gletscherfläche und gleichzeitig der Volumenmäßig größte Gletscher des gesamten Alpenraumes.

 

Alles in allem eine beeindruckende Gletscherlandschaft an der aber leider auch die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu spüren und zu sehen sind. Im wahrsten Sinne zu spüren bekamen wir diese Auswirkungen an unseren Oberschenkeln als es über die endlosen Stufen vom Grunde des Konkordiaplatzes bis zur Konkordiahütte nach oben geht. Führt man sich vor Augen, dass der Gletscher beim Bau der Hütte noch so mächtig war, dass diese Stufen nicht erforderlich waren, dann hat man ein eindrückliches Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gletscher. Nichtsdestotrotz ist diese Landschaft hier atemberaubend und wir können uns glücklich schätzen das noch erleben zu dürfen. Die Motivation ist groß und so entschließt sich ein Teil der Gruppe trotz des geplanten Mammutprogramms für die nächsten Tage noch einen Aufstieg Richtung Grünegghorn zu unternehmen und das traumhafte Wetter mit einer dementsprechenden Abfahrt zu feiern. Von den Lodgenplätzen auf der Hüttenterasse aus beobachten wir am späteren Nachmittag bei einem Weizen noch die Heliskier bei ihren Abfahrten. Es konnte kaum noch besser werden.

Die Fiescherhörner - die vielleicht abgelegendsten 4000er der Alpen

Am nächsten Morgen starteten wir zeitig wieder die zahlreichen Stufen nach unten auf den Konkordiaplatz und schnallten uns die Skier an die Füße um zunächst über den Grüneggfirn rund 400hm nach oben Richtung Grünhornlücke zu steigen. Es folgten ca. 200hm Abfahrt auf den Walliser Fiescherfirn. Gerade vor uns bereits unser Tagesziel: Die Finsteraarhornhütte.

 

Doch vorher bogen wir nach links ab um uns den Fiescherhörnern zuzuwenden. Hier waren wir die ersten in dieser Saison und wir durften uns einen Weg durch die Gletscherbrüche suchen. Am Besten geschützt vor den großen Seracs die von rechts oben drohend herunterhängen. Es gelingt uns eine sichere Linie durch diesen Gletscherbruch zu finden und diese Zone am Ende über eine Gletscherspalte zu verlassen. Oben wo das Gelände wieder flacher wird kommen wir zügig zum Fieschersattel und über den Grat auf das Große Fiescherhorn. Ein Atemberaubendes Gefühl in den Weiten dieser Gletscherlandschaft komplett alleine unterwegs sein zu dürfen. Die Tatsache, dass die Schweizer Landeskarte um das Finsteraarhorn die einzige Karte ohne eine einzige Straße ist, verdeutlicht eindrücklich die Abgeschiedenheit dieser Gipfel im Herzen des Berner Oberlandes. Die Abfahrt auf den Boden des Walliser Fiescherfirns wird gefolgt von einem langen Hatscher hinaus bis zur Finsteraarhornhütte. Ein ums andere Mal täuschen wir uns über die tatsächlichen Entfernungen in dieser weitläufigen Gegend und die so nah wirkenden Gipfel und Hüttenziele ziehen sich gewaltig in die Länge.

Das Finsteraarhorn - Der höchste Gipfel des Berner Oberlandes

Tag 3 unserer Skitourendurchquerung im Berner Oberland sollte die Königsetappe auf das Finsteraarhorn werden. Der 4.274 mt. hohe Gipfel dominiert die Panoramen der gesamten Zentral- und Ostschweiz. Ein wilder Gipfel an dessen Flanken sich steile Felswände und Grate befinden. Der einfachste Weg verläuft an der Südwestflanke des Gipfels zunächst über Gletscherflächen nach oben bis zum Hugisattel. Dort richteten wir unser Skidepot ein und kletterten über den Nordwestgrat in genussvoller Blockkletterei bis zum III. UIAA Grat auf den Gipfel. Der leider aufgrund der Schönheit des Grates viel zu schnell erreicht ist. Oben genießen wir das ungetrübte Panorama bei bester Fernsicht und trinken erstmal ein verdientes Fläschchen Weißwein das oben plötzlich jemand aus dem Rucksack zaubert. Wir sitzen lange auf dem Gipfel da die Temperaturen dermaßen angenehm sind. Irgendwann entschließen wir uns doch zum Aufbruch um bei der Abfahrt noch gute Bedingungen vorzufinden. Gesagt getan: Die südwestlich ausgerichteten Hänge haben inzwischen genau die richtige Dosis Sonne abbekommen um uns eine Firnabfahrt vom Feinsten zu bescheren. Wir halten uns nicht an die Aufstiegsspur, sondern bleiben rechts vom Felsriegel und fahren steil direkt auf den Walliser Fiescherfirn ab. Danach steigen wir die paar Höhenmeter zur Finsteraarhornhütte wieder nach oben.

Das Großwannenhorn - Ein Skitourenberg wie aus dem Bilderbuch

Als Grande Finale der 4 tägigen Skidurchquerung im Berner Oberland wählten wir das Großwannenhorn aus. Es präsentiert sich von der Finsteraarhornhütte gesehen als perfekter Skiberg. Die nordöstlich ausgerichtete Schneeflanke verspricht uns nach den bisherigen Erfahrungen der letzten Tage feinsten Pulverschnee. Noch einmal gilt es 1000 Höhenmeter bis zum Gipfel zurückzulegen. Doch dann beginnt eine der längsten, schönsten und Landschaftlich beeindruckenden Abfahrten die ich bisher gemacht hatte. Vom 3900 Meter Hohen Gipfel geht es über 2800 Höhenmeter über die Gletscherzunge des Fieschergletschers hinunter bis zum auf 1100 Meter hoch gelegenen Dorf Zer Flie im Talschluss des Fieschertals. Vom Hochalpinen vergletscherten Gelände geht es vorbei an Gletscherbrüchen, tiefen Schluchten und Tälern bis hinunter durch Wälder und Wiesen mit den letzten Schneeresten des vergangenen Winters hinunter bis ins Dorf. Von dort mit dem nächsten Bus ein paar Kilometer zurück nach Fiesch. Fazit: Sehr empfehlenswert.

Eine Runde die wirklich alles zu bieten hat. Lange Gletscherfelder, steile Anstiege, Gletscherbrüche, anspruchsvolle Wegfindung, steile Abfahrten in allen Expositionen und Schneebedingungen, Felsgrate zu erklettern und wunderschön gelegene Hütten in einer wirklich abgelegenen Gletscherwelt umringt von zahlreichen 4000ern.