Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Hochtouren in

CHAMONIX

Fotos: Brunner Andreas

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Die Traverse Royal auf den Mont Blanc

Bereits drei Mal hatte ich geplant nach Chamonix zu fahren. Im diesem Jahr im April für Couloires und Nordwände, im März des vergangenen Jahres für Skitouren und im Sommer darauf um in den Granitwänden zu klettern. Bisher hatten die Wettervorhersagen oder die Bedingungen nie gepasst. Es half nichts. So plante ich erneut ein paar Tage im Mont Blanc Massiv. Dieses Mal sollten es klassische Hochtouren und Firngrate werden. Und die Vorzeichen standen gut: Super Bedingungen, super Wettervorhersage und der richtige Seilpartner. Alles war angerichtet für die sogenannte Royale Traverse.

Tag 1: Anfahrt und schwer bepackter Aufstieg zum Refuge Conscrits

Eigentlich, so dachte ich mir, sollte ich einen schweren Rucksack inzwischen gewohnt sein nachdem ich die Woche vorher eine Woche mit Sack und Pack durch die Dolomiten spaziert bin. Aber die gesamte Ausrüstung für eine Woche lastet schwer auf den Schultern und die 1500 Höhenmeter von Les Contamines Montoje bis zum Refuge Conscrits werden zum Kampf mit dem inneren Schweinehund. Eine ganze Woche soll das jetzt so weitergehen? Wie soll ich mit diesem Rucksack klettern? Und woher soll ich die Ausdauer und Kraft nehmen damit in einer Höhe von weit über 4000 Metern noch vorwärts zu kommen? Am liebsten hätte ich resigniert.

Tag 2: Refuge Conscrits – Dome du Miage – Refuge Durier

Auf der Hütte treffen wir einen Bergführer der uns später diese Woche nochmal in der 250 Km entfernt liegenden Dauphine begegnet wird. Und dort zu einer großen Hilfe für uns wird. Doch davon wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts und konzentrieren uns zunächst auf unsere geplante Tour. Es steht die Überschreitung der Dome du Miage bis zur Durier Hütte an. Eine wunderbare Firnüberschreitung die im zweiten Teil im Fels fortgesetzt wird. Der Felsteil ist an einigen Passagen ziemlich brüchig und Vorsicht ist geboten. Die Wärme setzt hier oben alles in Bewegung. Gegen Mittag sind wir auf der mini kleinen Durier Hütte angelangt. Respekt vor der Hüttenwirtin die hier auf dieser abgelegenen Hütte seit neun Jahren einen gewaltigen Job leistet. Hut ab. Nach einem Schlechtwettereinbruch kommt hier sicherlich tagelang kein Mensch mehr hoch. Am Abend serviert sie uns Ente vom Rohr. Überhaupt haben wir auf den französischen Hütten ausnahmslos super Essen serviert bekommen.

Tag 3: Refuge Durier – Aiguille du Bionissay – Mont Blanc – Cosmiques Hütte

Der dritte Tag versprach anstrengend zu werden. Zusammen mit einer spanischen Seilschaft sowie einer Dreierseilschaft aus Tschechien machten wir uns um 3 Uhr auf den Weg. Anfangs noch einfach hinter der Hütte über Felsgelände mit einigen kürzeren Firnpassagen geht es über einen ersten leicht ausgesetzten Firngrat – nichts im Vergleich zu dem was später noch folgen wird - bis zur Schlüsselstelle der Tour. Ein 200 Meter hoher Pfeiler der in Felskletterei bis zum IV. Grad zu überwinden ist. Oben geht es über einen der schönsten Firngrate der Alpen hinüber über den Piton des Italiens bis zum Dome du Gouter. Der Messerscharfe Grat ist an Ausgesetztheit kaum zu überbieten. Zu beiden Seiten fallen steile Flanken tausend Meter in die Tiefe. Auf dem Grat sind die Bedingungen nicht ideal und so müssen wir teils in den blanken Flanken klettern. Am Dome du Gouter stellt sich die Frage ob man noch bis zum Gipfel des Mont Blanc aufsteigt oder ob man runter zur Gouterhütte geht und die Überschreitung des höchsten Gipfels der Alpen auf zwei Tage aufteilt. Wir entschieden uns für die erste Variante. Zum Glück war ich vorher noch nie auf dem Dach der Alpen und ich wusste nicht was uns noch bevorsteht als ich Armin zum Weitergehen überredete. Um 19 Uhr kamen wir komplett auf den Felgen in der Cosmiques Hütte an. Dass wir dabei bei weitem noch nicht die Letzten auf dem Berg unterwegs waren macht deutlich, wie viele sich hier am Mont Blanc hoffnungslos überschätzen. Am Mont Maudit wurde ich fast angefleht: „help me I´m so afraid“.

Tag 4: Ausschlafen – Cosmiques Grat – und ab in die Dauphiné

So lange wie auf der Cosmiques Hütte habe ich auf über 3000 Meter noch nie geschlafen. Nach den letzten drei anstrengenden Tagen brauchte es diese Extrastunden aber definitiv. Wir nahmen die Späteste der möglichen Frühstückszeiten in Anspruch. Um 9 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zur Seilbahn um über die Aiguille du Midi wieder nach Chamonix zu fahren. Wir wählten den Cosmiques Grat um an unser Ziel zu gelangen. Zum Glück hatten wir noch die Möglichkeit den Grat einige Tage vor einem verheerenden Felssturz zu begehen. Inwieweit der Grat noch machbar ist weiß ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Es ist ein komisches Gefühl zu wissen das man ein paar Tage vorher noch auf den Felsen herumgeklettert ist, die jetzt hunderte Meter tiefer auf dem Gletscher in Brocken liegen.