Trekking in den

DOLOMITEN

Fotos: Brunner Andreas

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Mit Zelt und Klettersteigset durch die Dolomiten

Dolomiten Höhenwege gibt es 9 an der Zahl. Unbekannt sind sie lange schon nicht mehr und beliebt sowieso. Diese 9 Dolomiten Höhenwege durchstreifen die Dolomiten in allen möglichen Varianten. Im Juli und August ist Hochsaison, dementsprechend gut besucht sind die Wege in dieser Zeit. Wir wollten aber etwas Ruhe und Einsamkeit in den bleichen Bergen finden und die Romantik der wilden Zacken ganz für uns allein haben und trotzdem die Hotspots Civetta, Monte Pelmo, Croda da Lago und Tofana nicht missen. So ist uns das gelungen:

Die Planung

Wie bekomme ich das Maximum aus einer Woche in den Dolomiten ohne lange Verbindungsstücke? Eine grobe Auswahl einer Region war der erste Planungsschritt – hier war uns wichtig, dass wir alles zu Fuß und ohne Straßenabschnitte machen können. Das alles möglichst in einer Gegend, wo wir beide noch kaum unterwegs waren. Als zweites habe ich eine möglichst interessante Route in dieser Gegend gesucht: Klettersteige, Gipfel und spektakuläre Aussichten sowie der eine und andere Bergsee sollten dabei sein. Dann diese Gesamtstrecke noch schnell in machbare Tagesetappen eingeteilt et voilà: Fertig war unser persönlicher Dolomiten Höhenweg.

Die Route

Überschreitung der Mojazza über den langen Costantiniklettersteig zum Bivacco Ghedini Moiazza, weiter auf die Civetta über den Tissi Klettersteig und Übernachtung auf der Torranihütte. Dann Überschreitung des Gipfels der Civetta und über den Klettersteig Ferrata degli Alleghesi hinunter bis zum Rifugio Coldai. Hier wollen wir am Coldaisee im Zelt übernachten. Am nächsten Tag weiter mit der Umrundung des Monte Pelmo und noch eine Nacht im Zelt. Anschließend vorbei an den Croda da Lago und weiter bis zur Dibonahütte und als Finale die Überschreitung der Tofana di Mezzo sowie Tofana di Dentro über die Klettersteige Ferrata Punta Anna, Ferrata Olivieri, Ferrata Tofana di Mezzo, Ferrata Tofana di Dentro und die Ferrata Formenton – übernachtung im einmalig gelegenen Bivacco Baracca degli Alpini. Anschließend hinunter nach Cortina wo wir bei der Anfahrt ein zweites Auto platzieren. So zumindest mal der Plan. Wichtigste Voraussetzung: das Wetter spielt mit.

Civetta

Doch leider spielte es nicht so Ganz mit: Die Mojazza mussten wir gleich am ersten Tag streichen. Es regnete den ganzen Tag. Ein Alternativplan war schnell gefunden und so stiegen wir bei leichtem aber ununterbrochenem Nieselregen vom Valle della Grava hoch zum Bivacco Grisetti und warteten auf das schöne Wetter das für den nächsten Tag angekündigt war. Und die Sonne kam. Über den Sentiero Angelini kehrten wir zurück auf unsere ursprüngliche Route zum Tissi Klettersteig und erreichten über diesen das wunderschöne Rifugio Torrani - unsere Unterkunft für die zweite Nacht. Wir gingen wie weit wir Lust hatten, stellten unser Zelt auf wo es uns gefiel, oder checkten in einer der zahlreichen Hütten entlang unseres Weges ein, wenn wir dem Ruf nach einem ordentlichen Bett folgen wollten. Außer einem groben Plan für die Route hatten wir jede Freiheit. Nachdem wir die Ferrata degli Alleghesi über die Civetta hinter uns gebracht hatten kehrten wir im Rifugio Coldai ein. Die Hütte gerammelt voll mit Italienern, die ihrem Ruf mehr als gerecht wurden – alle redeten zugleich, der eine lauter als der andere. So kam uns die Nacht im Zelt am einsamen Lago Coldai am Fuße der Civetta Nordwand gerade Recht.

Monte Pelmo

Traumhaft schön wachten wir inmitten der Dolomiten an einem malerischen Bergsee auf und krochen aus unserem Zelt. Genau so hatten wir uns dieses Abenteuer vorgestellt. Erstmal gemütlich Frühstücken, dann galt es die schweren Rucksäcke wieder zu satteln. Auf der Forcella Coldai sahen wir bereits unser nächstes Ziel: den Monte Pelmo. Da stand er wie ein mächtiges Bollwerk in der grünen Landschaft. Er ragt hoch auf, auf einer vergleichsweisen kleinen Grundfläche und hat eine besondere Anziehungskraft. Unser Plan war es, den Berg zu umrunden. Zunächst hinunter ins Tal zum Rifugio Monte Pelmo und dem Camping Pala Favera. Weiter über den Steig Nr. 474 gelangten wir zum Rifugio Venezia. Vorbei an diesem über den Sentiero Flaibani ging es um den Monte Pelmo herum und hinunter zum Rifugio Cittá di Fiume. Auf der Suche nach einem schönen Zeltplatz gingen wir an diesem Tag noch etwas weiter entlang des Weges Nr. 467 bis wir wieder einen Platz für unser fünf Milliarden Sterne - Hotel gefunden hatten.

Croda da Lago

Langsam spürten wir unsere Beine, vor allem aber unsere Rücken. Die gesamte Ausrüstung sowie die Verpflegung lastete schwer auf den langen Etappen. Die traumhafte Landschaft und das schöne Wetter entschädigte aber alle Mühen. Wir überlegten zunächst mal heute einen gemütlicheren Tag einzulegen. Nachdem wir vom Lago Coldai bis zum Rifugio Citta di Fiume am Tag zuvor eine Mammutetappe hinter uns hatten, wollten wir lediglich bis zum malerisch am See gelegenen Rifugio Croda da Lago G. Palmeri spazieren. Doch das Wetter sollte nur noch 2 Tage schön bleiben und somit war unser Plan die Tofana zu überschreiten in Gefahr. Wir entschieden uns für eine weitere Mammutetappe und kämpften uns mit den letzten Reserven zur Dibonahütte durch. Endlich konnten wir duschen und wieder mal ein richtig angenehmes Bett genießen. Es war eine Wohltat für den Körper und den Geist und wir tankten wieder neue Kräfte.

Tofana

Hochmotiviert, jedoch mit Gewittern bereits am frühen Nachmittag im Anmarsch, mussten wir leider nochmal umdisponieren und die langen, bei Gewittergefahr viel zu gefährlichen Klettersteige Ferrata Punta Anna, Ferrata Olivieri sowie Ferrata Tofana di Mezzo streichen und wählten den schnellen Weg mittels „Freccia nel cielo“ wie die Gondel auf den Gipfel der Tofana auf treffende Weise genannt wird. Von hier gelangten wir über die beiden Klettersteige Ferrata Tofana di Dentro sowie Ferrata Formenton zu unserem Etappenziel: Den wirklich atemberaubenden Bivacco Baracca degli Alpini: Eine alte Holzhütte, in der Kriegszeit mitten in die Felsen gebaut und später zum Biwak umfunktioniert. Unsere persönliche Dolomitenlodge für diesen Abend. Wir beheizten den Ofen in der Hütte mit alten Holzbalken von den Überresten der Gebäude und Stellungen der Dolomitenfront im ersten Weltkrieg die hier überall herumlagen und genossen am Abend den wunderschönen Sonnenuntergang als Abschluss einer phantastischen Woche in den Dolomiten.

Als Abschluss - Hexenstein

Am letzten Tag hatten wir lediglich den Abstieg hinunter nach Cortina vor uns, wo wir ein zweites Auto geparkt hatten. Nachdem wir das andere Auto im Valle della Grava geholt hatten gönnten wir uns noch eine Nacht unterhalb der Cinque Torri im gleichnamigen Rifugio und bestaunten die an diesem Abend stattfindende Mondfinsternis. Als Abschluss bestiegen wir noch am nächsten Tag vor der endgültigen Heimfahrt nochmal ohne Rucksäcke und federleicht den Hexenstein am Valparolapass.

Am Ende bekamen wir exakt das wonach wir suchten. Eine Traumhafte Woche in den Dolomiten komplett ohne den üblichen Rummel. Die Schultern schmerzten vom schweren Rucksack und auch die Wadl waren ordentlich bedient. Der Kopf dafür war voll mit schönen Erinnerungen. So hatten wir uns das vorgestellt.

Segeln auf den Seychellen
Vulkanausbruch Ätna
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Andreas Brunner • Georg Plattner Str. 12 • 39040 Feldthurns