Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Reise in das arabische Sultanat

"Warum Oman?"

Eine häufige Reaktion als wir nach dem Reiseziel gefragt wurden. Oman als Urlaubsland scheint noch relativ unbekannt zu sein. Völlig zu Unrecht wie wir in  11 Tagen in diesem wunderbaren arabischen Sultanat feststellten. Unglaubliche Gastfreundschaft, gutes Essen, keine Magenbeschwerden, sichere Politische Lage und jede Menge Offroadspaß. Der Hauptgrund unseres Besuchs war die schier unendliche Zahl an kletterbarem Fels, doch suchten wir auch ein Land mit anderen Kulturen und Sitten. Hauptsächlich bewegten wir uns im Hadjar-Gebirge, eine karge Landschaft aus Felsen, Steinen und Dornbüschen. Die Gipfel und Türme erinnern stark an unsere Dolomiten zu Hause. Irgendwo dazwischen findet man viele kleine Bergdörfer, wo einige Familien leben.

Willkommen im Oman

I think it’s cool“, war die Antwort des Omanischen Autovermieters auf unsere Frage ob wir die Schlafsäcke auf dem Parkplatz des Flughafens ausbreiteten dürfen um uns von den Reisestrapazen mit Ankunft um 2 Uhr morgens in Muskat zu erholen. Von da an wurden unsere Zeltlager von Tag zu Tag spektakulärer. Zelten ist im Oman überall erlaubt, deshalb schlugen wir unsere Quartiere auf wo es uns gefiel: im Gebirge, in Oasen, in der Sandwüste und am Meer. Immer begleitet vom Geruch des Lagerfeuers, den Gesängen der Muezzin und dem Geschrei der Ziegen.

Als wir unsere beiden 4x4 beladen hatten konnten wir es kaum erwarten, aus der Stadt und ins Gebirge zu kommen. Groß war unsere Vorfreude auf den viel gelobten Fels im Oman. Unsere erste Station sollte Hadasch sein. Auf Bildern haben wir einen wunderschön gelegenen Sportklettergarten gesehen, ideal um uns an das Land, die Leute und den Fels zu gewöhnen. Dass im Gebirge nichts ohne einen ordentlichen 4x4 geht hatten wir bereits vor unserer Reise in Erfahrung gebracht und das können wir absolut bestätigen. Die Straßen sind abenteuerlich und es macht einen Rießen Spaß im Offroad Modus durchs Gelände zu preschen.

In Hadasch angekommen wurde uns sofort die unglaubliche Gastfreundschaft der omanischen Bevölkerung zuteil. Immer freundlich, neugierig und interessiert sind die Menschen für ein Gespräch zu haben. Einige sprechen sogar richtig gut englisch. Aufgrund der Tatsache dass immer wieder Kletterer zu Besuch kommen haben die jungen Bewohner die Möglichkeit englisch zu sprechen und nutzen diese Chance um die Sprache zu lernen.

Sofort Klettern

Endlich waren wir uns sicher am richtigen Ort zu sein und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Auf einem perfekt ebenen Felsblock mit atemberaubender Aussicht schlugen wir unser Zeltlager für die nächsten Tage auf. Aus Sorge vor Schlangen und sonstigen giftigen Tieren zogen wir es vor in den Zelten zu schlafen und nicht unter freiem Himmel, obwohl es das Wetter ohne weiteres erlauben würde. 5 Tage Regen pro Jahr gibt es im Schnitt. Auf einen täglichen Check des Wetterberichts kann also getrost verzichtet werden.

Die Felsqualität begeisterte uns von Anfang an. Im roten Kalkgestein fühlten wir uns sofort wohl. Nach 2-3 Tagen Sportklettern zum eingewöhnen, an denen Christian 2 bis dato noch nicht gekletterte Projekte gelangen, ging es an die höheren Wände. Wir bauten unser kleines Zeltdorf ab und fuhren tiefer in das Hadjar-Gebirge zum "Snake Canyon". Hier gibt es sowohl längere Wände aber auch die Möglichkeit zum Sportklettern. Direkt am Eingang des Canyons plötzlich etwas das hier überhaupt nicht in die Landschaft passt: Ein perfektes Fussballfeld mitten in der kargen steinigen Landschaft. Am Abend dann spielten ein paar Jungs aus dem nahen Dorf die wir zu einem Match herausforderten. Dabei behielt die Heimmannschaft klar die Oberhand. Also blieben wir die nächsten Tage bei der Sportart die wir besser beherrschen: Klettern. Bei den ersten Mehrseillängenrouten merkten wir schnell dass es eigentlich kaum einen Unterschied macht ob man Linien wiederholen möchte oder lieber selbst eine neue Route eröffnet. So gut wie alle Zwischensicherungen sind selbst zu platzieren und die Stände selbst zu bauen. Der Fels ist meist bombenfest und gut abzusichern.

Da es noch freie Linien im Überfluss zu finden gibt suchten sich Hannes und Stefan gleich eine Linie am Eingang des Canyons aus. Sie bezwangen die 250 mt. hohe Wand ohne Probleme und gaben ihr die Schwierigkeit V+ und den Namen „Dojo“, nach dem Vorbild der Übungshallen, als Bewährungsprobe für das nächste Ziel: Die 400 mt. hohe Al Kumeira Wand, die genau gegenüber des Jebel Misht (die mit 1000 mt. höchste Wand im Oman) liegt.

Alpinklettern

Die Wand verspricht eine durchgehend super Felsqualität und liegt zudem ganztags im Schatten. Ein nicht zu unterschätzender Luxus in der sängenden Wüstenhitze.

Während der 1.5h Zustieg fassten Stefan, Hannes und ich eine mögliche Linie auf den linken Pfeiler der Wand ins Auge. Bereits die ersten Seillängen begeisterten uns mit ihrer homogenen Schwierigkeit und dem erhofften sehr gutem Fels. Ohne einen Nagel schlagen zu müssen kletterten wir höher und höher. Eine Seillänge schöner wie die andere.

Verschneidungen, Risse und Platten alles was das Kletterherz begehrt, kaum zu glauben dass hier noch nie jemand geklettert ist. Ganz oben wurde das Gelände dann etwas leichter und so stiegen wir nach 11 Seillängen und 500 Klettermetern im Schwierigkeitsgrad VI- am späten Nachmittag von der Wand aus und seilten uns über die Route „Al Kumeira“, die von unserer zweiten Seilschaft mit Julia, Daniel und Gabriel geklettert wurde, ab. Sie ist perfekt als Abseilpiste eingerichtet. Das einzige das am Abend zurück beim Zeltplatz fehlte war ein Bier um auf diese Genussroute und einem rundum gelungenen Tag anzustoßen. Dafür stattete uns Said, der 80 jährige Bauer des angrenzenden Hofes einen Überraschungsbesuch ab und servierte uns warmen Omanischen Kaffee. Dazu verspeisten wir den Sack voll Datteln die er uns bereits am Tag zuvor geschenkt hatte. Für uns stand fest: Der Oman ist an Gastfreundlichkeit kaum zu übertreffen.

Fehlt nur noch der Name der Route.

 

Wir entschieden uns für „I think it’s cool“ - (Hier das Topo der Route)

Der Oman hat nicht nur für Kletterer einiges zu bieten

Nach ein paar intensiven Tagen an denen wir praktisch nur kletterten war es an der Zeit auch noch andere Seiten Omans kennen zu lernen. Wir alle wollten unbedingt in die Wüste und so wechselten wir auf die südliche Seite des Gebirges. Neben der größten Sandwüste der Welt, der "Rub al Khali", die zwar zum größten Teil in Saudi Arabien liegt, aber auch noch ein Stück in den Oman hineinreicht, gibt es noch eine zweite Sandwüste im Land: Die "Ramlat al Wihiba". Sie ist mit 12.500km² verhältnismäßig klein, hat aber trotzdem bis zu 20 Meter hohe Sanddünen vorzuweisen.

Am Rande der Wüste trifft man bereits mehr Touristen als im Gebirge, dementsprechend aufdringlich sind auch einige Business orientierte Omanis. Auch wir ließen uns ein gut klingendes Angebot aufschwatzen und handelten mit einem dieser "Touristenguides" ein Zwei-Tagesprogramm aus. Natürlich war unser Guide dann plötzlich verhindert und schickte uns seinen "Bruder". Alles in allem hielten sie sich an die Vereinbarungen. Nach einem ausgiebigen Dune Bashing mit unseren Offroadern stand ein Besuch bei den Nomaden an. Später brachte man uns zu auf eine Düne wo wir unser Zelt für die Nacht aufschlugen und ein Abendessen serviert bekamen. Wir mussten zwar einmal mit dem nicht wirklich sympatischen "Bruder" streiten, weil er plötzlich die Abmachungen änderte und anstelle der Hälfte das Geldes am ersten Tag die volle Bezahlung wollte, aber letzten Endes konnten wir uns auf das Wort der Männer verlassen.

Unsere nächste Station war das "Wadi bani Khalid". Eine wunderschöne Oase wo es von Palmen und traumhaften Wasserbecken nur so wimmelt. Auch hier durften wir problemlos für eine Nacht unsere Zelte aufbauen und die Nacht verbringen. Nach ausgiebigem Frühstück, wie immer mit Fladenbrot auf einer Steinplatte über dem offenem Feuer erwärmt sowie mit Nutella und Bananen belegt, fanden wir einen geeigneter Platz um eine Highline über das Wasser zu spannen.