Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Klettern in

KROATIEN

Fotos: Brunner Andreas

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Klettern im Paklenica National Park

Eigentlich wollten wir ja in die kalten Nordwände an den Mont Blanc du Tacul. Aber es kam wiedermal alles anders als geplant. Es war uns egal wohin es am Ende gehen sollte. Wir hatten 5 Tage Zeit und die wollten wir nutzen. Am Ende lockte uns der Süden von Kroatien, genauer gesagt der Paklenica Nationalpark zum Klettern. Doch es wurde viel mehr als nur eine kurze Kletterreise.

Es konnte nur besser werden

Der Wetterbericht für Chamonix Ende April war alles andere als vielversprechend. Überhaupt war der gesamte Alpenbogen von einer Schlechtwetterfront eingehüllt. Als mögliche Alternative fiel uns Paklenica ein. Angeblich ein Klettergebiet der Extraklasse, für Sport- als auch für Alpinkletterer. Kurz den Wetterbericht für den Süden Kroatiens gecheckt und schnell war klar: Auf nach Kroatien. Hannes konnte es kaum erwarten seinen neuen Caddy zu testen. In Bruneck, wir waren noch nicht weit gekommen, krachte es beim Rückwärtsfahren. „Shit!“ – Ein anderes Auto war im Weg. Nach einer Inspektion beider Wagen große Erleichterung: Keine Schäden waren zu erkennen. Der neue Caddy hatte somit seinen ersten Unfall gut überstanden.

Paklenica Climbing Festival

7 Fahrstunden später hatten wir den Regen komplett hinter uns gelassen und sind im sonnigen Paklenica angekommen. „Ist hier viel los“ denken wir uns noch als wir in das Tal spazieren. Am Hauptplatz stellen wir dann fest, dass gerade das Paklenica Climbing Festival stattfindet. Der „Multipitch Speed climbing“ Wettbewerb ist gerade im Gang. Gespannt verfolgen wir die Seilschaften wie sie diese 5 Seillängen lange Route, die immerhin mit 6c+ bewertet ist, in gerade mal 15 Minuten nach oben sprinten. Wahnsinn. Am darauffolgenden Tag wurde ein „Climbing Marathon“ veranstaltet. Ziel war es von 7 Uhr Früh bis 7 Uhr am Abend so viele Kletterrouten wie möglich zu klettern. Je schwerer desto mehr Punkte. Zudem gab es Bonuspunkte für Mehrseillängenrouten sowie für abgelegene Sektoren. Um Punkt 7 standen wir am Einstieg der Route: „The show must go on“ - 10 Seillängen konstant zwischen 6a und 6c+. Zudem eine der schönsten Multipitches in Paklenica. Das Klettern machte einen Riesenspaß, der Fels ist ein Gedicht. Bis zum Abend hatten wir über 40 Seillängen geklettert. Später gab es in der Stadt noch eine Fete mit Live Band und es fand die Preisverteilung statt. Tatsächlich hatte es für den 3. Platz gereicht. Unser Preis: Ein Gutschein zu 150€ im lokalen Klettershop. Nicht schlecht. Aber was noch besser war: Die lokale Szene der Kletterer kannte uns beide jetzt und wir wurden sofort freundlichst in ihre Community aufgenommen. Bei ein paar Bier und tollen Gesprächen wurden wir eingeladen am nächsten Tag mit in eine Höhle zu kommen. 2 Stunden Zustieg. Start um 7 Uhr Früh war ausgemacht. Es war bereits 1 Uhr und das Bier schmeckte immer noch blendend. Wir lehnten ab. Als es dann hieß: „Felix Baumgartner jumped into that hole“ war unsere Neugier wieder geweckt. Das konnte keine normale Höhle sein wenn Felix Baumgartner, der beste Base Jumper der Welt, hineingesprungen ist. Wir sagten voller Begeisterung zu.

 

Mamet Cave

Die Eckdaten der Höhle sind beeindruckend: 200 Meter tief und die kreisrunde Öffnung hat einen Durchmesser von 50 Metern. Sie ist die größte Höhle dieser Art in Europa. Sogar weit darüber hinaus: Die nächste vergleichbare Höhle dieser Größe liegt in Mexiko. Allerdings ist diese dann 3x so groß. Beim Zustieg dachten wir noch dass es für uns Kletterer eigentlich kein Problem sein dürfte in diese Höhle abzuseilen. Am Loch angekommen stellen wir dann fest: Wir wären tatsächlich ohne Chance gewesen. Seilt man anfangs noch senkrecht rund 50 Meter nach unten, wird es plötzlich Interessant: An einer Art Kante hängt man sich aus dem ersten Seil aus und in das Zweite ein. Ab jetzt geht’s 150 Meter am Stück nach unten. Aufgrund der Glockenform dieser Höhle ist man 20 Meter von der Felswand entfernt. Komplett frei hängend und nichts gegen die einsetzende Rotation machen könnend seilt man unendlich lange nach unten. Diese verfluchte Party gestern. Kurz bevor ich mir den Vorabend nochmal durch den Kopf gehen lassen muss bin ich wieder auf festem Boden. Wir sind zu fünft. Zwei der Kletterer die wir bei der Party kennen lernten sind zufällig auch Mitglieder der weltweit hoch angesehenen kroatischen Höhlenrettung. Dank Ihnen stehen wir jetzt hier. Eine einmalige Gelegenheit. Ich erkunde die Höhle, die einige Seitengänge besitzt. Aber die Gänge enden nach einiger Zeit. Als ich Luka frage wo es hier eigentlich wieder raus geht, grinst er, zeigt nach oben und sagt „Jumar“. Und so geht es in die umgekehrte Richtung wieder 200 Meter den Seilen entlang nach oben. Gleich bleibt nur die Rotation.

Big Wall Speed Climbing

Am ersten Tag waren wir vom Big Wall Speed Climbing Event ziemlich angetan. Die Locals versuchten uns für diesen Event zu begeistern. Die Rekordhalter höchst persönlich haben uns all ihre Tricks und wertvollen Tipps verraten um eine schnelle Zeit zu schaffen. Der Rest wäre nur mehr das üben der Route. Wir versprachen dass wir uns die Wettkampfroute einmal anschauen werden. Also standen wir am letzten Tag am Einstieg. Mit jeder Seillänge die wir kletterten wuchs der Respekt vor diesen Bombenzeiten die hier geklettert werden. Es gibt einige knackige und knifflige Stellen und einige Seillängen sind mit 40 Metern auch nicht gerade kurz. Wir würden es nicht glauben dass es in 15 Minuten zu schaffen ist, hätten wir es nicht mit eigenen Augen gesehen. Nach 2 Stunden waren wir am Ausstieg.