Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

LAWINE

was nun?

So schön sie auch ist die weiße Pracht, so schwierig ist es ihr Gefahrenpotential einzuschätzen. Trotz aller Vorsicht passiert das was nicht passieren soll.

Eine Lawine löst sich und reißt einen der Gruppe mit.

Jetzt muss alles schnell gehen und stimmen die Abläufe stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass das Ganze glimpflich ausgeht. Aber die Zeit läuft. Der Sauerstoffvorrat im Schnee gibt dem Verschütteten ein Zeitfenster von 15 Minuten. Innerhalb dieser Zeit liegt die Überlebenschance bei 90%. Immer vorausgesetzt, dass der Verschüttete keine mechanischen Verletzungen oder den Absturz über eine Felswand erlitten hat.

Etwa 30% der Personen die von Lawinen mitgerissen werden sterben unmittelbar an diesen Ursachen.

Erstmal heißt es Ruhe bewahren. Hat man vorher alles richtig gemacht steht man an einem sicheren Punkt und kann die Lawine beobachten. Merke dir den Punkt wo du den Verschütteten zum letzten Mal gesehen hast. Kommt die Lawine zum Stillstand nimm dir kurz Zeit: Sieht man vielleicht etwas auf dem Lawinenkegel? Schaut im Idealfall sogar eine Hand aus dem Schnee? Dann wäre der Verschüttete schnell befreit.

Seid ihr eine größere Gruppe ist es wichtig, dass einer das Kommando übernimmt und Anweisungen gibt damit die vorhandenen Kräfte bestmöglich eingeteilt werden:

 

Erster Schritt – aber oft in der Hektik vergessen: Alle müssen ihr LVS Gerät vom Sendemodus in den Suchmodus schalten.

 
Phase eins: Die Grobsuche

In einem Abstand von 20 bis maximal 40 Metern so schnell wie möglich nach einem ersten Signal suchen. Das primäre Suchgebiet geht vom Verschwindepunkt aus und führt in einer Kegelform nach unten. In diesem Bereich muss sich der Verschüttete befinden.

Bist du allein suchst du den Kegel systematisch in einem Zickzackmodus nach einem ersten Signal ab. Achte darauf, dass die Abstände deiner Suchlinien nie größer als 40 Meter sind.

 
Die Feinsuche

Sobald einer das Signal hat ruft er das den anderen zu. Jetzt ist einfach der Anzeige auf dem Display zu folgen. Richtungsänderungen dabei immer mit dem gesamten Körper machen und nicht das LVS Gerät herumdrehen. Darauf achten, dass der Wert der Anzeige kleiner wird. Wird der Wert größer ist es am besten eine 180° Drehung zu machen. In der Gruppe sucht derjenige der das erste Signal erhalten hat.

 

Die anderen richten inzwischen Schaufel und Sonde her.

 
Die Punktortung

Zeigt das Display einen Abstand von 3-5 Metern wird das Gerät direkt über der Schneeoberfläche gehalten. Zum Einkreuzen wird das Gerät gerade nach vorne geführt und die Stelle an der die kleinste Entfernung angezeigt wird mit einem Handschuh markiert. Jetzt, ohne das Gerät zu drehen in 90° Winkel nach rechts und links wieder die Stelle mit der geringsten Entfernung suchen.

 

Genau an dieser Stelle wird mit dem Sondieren begonnen.

 
Das Sondieren

Sondiert wird in einem Spiralförmigen Muster 90° zur Hangneigung. Der Abstand der Sondierpunkte soll rund 25cm betragen. Spürt man den Widerstand des Verschütteten bleibt die Sonde an dieser Stelle im Schnee stecken.

 
Ausgraben

Jede Sonde besitzt eine Anzeige, wo die Verschüttungstiefe abgelesen werden kann. Sondiert man den Verschütteten 2 Meter unterhalb der Schneedecke, geht man ebenfalls 2 Meter nach hinten/unten und beginnt dort in Richtung Sonde zu graben. Jetzt heißt es schaufeln was das Zeug hält. In der Gruppe schaufelt der vorderste so lange er es durchhält mit Vollgas. Danach wird gewechselt. Der Rest räumt inzwischen den Schnee weiter, den der erste einfach hinter sich wirft. Findet man den Verschütteten gilt die oberste Priorität natürlich dem Freischaufeln des Kopfes um ihm das Atmen wieder zu ermöglichen.

 
Erstversorgung

Sobald die Atemwege frei sind kann behutsam vorgegangen werden und auf Verletzungen geachtet werden. Vor allem im Bereich der Wirbelsäule. Nachdem der Verschüttete komplett freigeschaufelt ist, ist es Wichtig, dass dieser gewärmt wird. Er wird stark unterkühlt sein.

 
Alarmierung

Oberste Priorität gilt im Falle einer Verschüttung der Kameradensuche. Bis Rettung eintrifft wäre es in den meisten Fällen sowieso zu spät. Nur bei größeren Gruppen kann einer mit der Alarmierung beauftragt werden, wenn sonst noch genügend Personen für die Kameradenrettung anwesend sind.

 
Mehrfachverschüttung

Es kann natürlich auch zur Verschüttung von mehreren Personen kommen. Der Ablauf bleibt der Gleiche. Sobald ein Verschütteter gefunden und seine Atemwege freigeschaufelt wurden ist es wichtig auch dessen LVS Gerät auszuschalten. Erst dann wird mit der Suche nach dem nächsten fortgefahren. Auf einigen LVS Geräten ist es auch Möglich das Signal eines bereits befreiten Kameraden manuell abzuschalten um wertvolle Zeit zu sparen.

 
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