LVS - Suche

So schön sie auch ist die weiße Pracht, so schwierig ist es ihr Gefahrenpotential einzuschätzen. Trotz aller Vorsicht passiert das was nicht passieren soll.

Eine Lawine löst sich und reißt einen der Gruppe mit.

Der Umgang mit dem LVS Gerät ist ein Thema, um das man als Skitourengeher nicht herumkommt. Und das ist auch gut so. Bei all der Professionalität und dem Luxus einer bestens organisierten Bergrettung, die wir in den Alpen haben, ist es für die Retter so gut wie unmöglich, bei einem Lawinenabgang rechtzeitig vor Ort zu sein. Die nackten Fakten schauen nämlich so aus: Etwa 30% der Personen, die von einer Lawine mitgerissen werden sterben an den Folgen von unmittelbar erlittenen Verletzungen (sie stürzen mitsamt der Lawine ab oder werden irgendwo dagegen gedrückt). Bleiben noch 70%, die zwar komplett verschüttet werden, aber noch leben. Für sie beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Innerhalb der ersten 15 Minuten sind 90% von ihnen nach wie vor am Leben. Das ist jedoch eine wichtige Grenze, ab welcher dieser Prozentsatz rapide abfällt. Es ist kaum möglich, die Alarmierung, das Starten des Hubschraubers, die Anflugzeit sowie das Absetzen eines Bergretters auf dem Lawinenkegel innerhalb von 15 Minuten zu bewältigen und selbst dann, ist er erst an einem Punkt, wo die Kameraden bereits von Anfang an starten könnten:

Eine Lawine löst sich, reißt einen der Grupp mit sich und verschüttet ihn komplett.

Jetzt sollte jeder Handgriff sitzen. Stimmen die Abläufe stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass das Ganze glimpflich ausgeht. Aber die Zeit läuft. Das wichtigste: Ruhig bleiben und überlegt arbeiten. Hat man bisher alles richtig gemacht steht man an einem sicheren Punkt und kann die Lawine beobachten. Man versucht sich jenen Punkt zu merken, wo der Verschüttete zum letzten Mal gesehen wird. Das wird der Ausgangspunkt für die LVS Suche. Sobald die Lawine stehen bleibt, nimmt man sich ein paar Sekunden, um den Lawinenkegel nach irgendwelchen Hinweisen mit dem Auge abzusuchen. Vielleicht schaut ja eine Hand aus dem Schnee oder ein Ski oder es gibt andere Indizien? Bei größeren Gruppen braucht es einen, der den Überblick hat und Anweisungen geben kann, damit kein Chaos ausbricht. Die erste Anweisung muss sein: Alle LVS Geräte vom Sendemodus in den Suchmodus schalten.
 

 
Phase eins: Die Grobsuche

Ausgehend vom Verschwindepunkt wird ein primärer Suchbereich festgelegt. Dieser wird in Zickzacklinien von 20 bis maximal 40 Metern Abstand die ganze Breite des Lawinenkegels nach einem ersten Signal absuchen. Dabei kann man sich so schnell wie möglich bewegen

 
Die Feinsuche

Sobald jemand ein Signal hat, wird das den anderen mitgeteilt. In der Gruppe sucht derjenige der das erste Signal erhalten hat auch weiter. Alle anderen richten Sonde und Schaufel her. Jetzt ist einfach der Anzeige auf dem Display zu folgen. Man bewegt sich nun etwas langsamer. LVS Geräte senden die Signale im Sekundentakt, genauso oft aktualisiert sich auch die Anzeige auf dem Display. Darauf achten, dass der Wert der Anzeige kleiner wird. Wird der Wert größer macht man am Besten eine 180° Drehung. Ein wichtiger Richtwert sind die 10 Meter: Hier kurz innehalten. Es lohnt sich das Gerät nochmal genau in Pfeilrichtung auszurichten und ab hier noch einmal langsamer weiterzusuchen. Wer es schafft, in dieser Suchphase langsam und überlegt zu arbeiten, der wird wesentlich genauer hinkommen. Häufige Fehler sind zu schnelles und hektisches arbeiten.

 
Die Punktortung

Zeigt das Display einen Abstand von 4-5 Metern an, geht man mit dem Gerät direkt an die Schneeoberfläche und bewegt dieses langsam immer weiter der Richtungsangabe folgend nach vorne. Bei einem Wert von 2-3 Metern verschwindet bei einigen Geräten der Richtungspfeil und das Symbol zum Einkreuzen erscheint. Jetzt wird die Suchgeschwindigkeit nochmal deutlich reduziert. Zum Einkreuzen wird das Gerät langsam aber eindeutig bewegt. Empfohlen werden Werte von 10 Zentimetern pro Sekunde. Zunächst in der gleichen Richtung nach vorne weiter wie bisher, die Stelle an der der kleinste Wert angezeigt wird merkt man sich. Steigt der Wert wieder, kehrt man sofort und direkt an diese Stelle zurück und fährt genau 90° dazu nach links oder rechts, ohne das Gerät dabei zu drehen! Die Stelle mit dem geringsten Wert mit einem Gegenstand (Handschuh oder Mütze) markieren. Auch hier gilt: Wer sauber arbeitet, sprich das Gerät langsam, eindeutig und immer im rechten Winkel ohne herumdrehen bewegt, der kreuzt einmal ein und landet sofort den Sondentreffer.

 
Das Sondieren

Genau an der mit einem Gegenstand markierten Stelle wird mit dem Sondieren begonnen. Sondiert wird in einem spiralförmigen Muster im rechten Winkel zum Hang. Der Abstand der Sondierpunkte soll rund 25cm betragen. Hier kann man ruhig wieder Gas geben. Spürt man den Widerstand des Verschütteten bleibt die Sonde genau an dieser Stelle im Schnee stecken.

 
Ausgraben

Jede Sonde besitzt eine Anzeige, wo die Verschüttungstiefe abgelesen werden kann. Sondiert man den Verschütteten 2 Meter unterhalb der Schneedecke, geht man mindestens 2 Meter (besser den 1.5 fachen Wert: also 3 Meter) nach hinten/unten und beginnt von dort ausgehend in Richtung Sonde zu graben. Jetzt heißt es schaufeln was das Zeug hält. In der Gruppe schaufelt der vorderste so lange er es durchhält mit Vollgas. Danach wird gewechselt. Der Rest räumt inzwischen den Schnee weiter, den der erste einfach hinter sich wirft. Findet man den Verschütteten gilt die oberste Priorität natürlich dem Freischaufeln des Kopfes um ihm das Atmen wieder zu ermöglichen.

 
Erstversorgung

Sobald die Atemwege frei sind kann behutsam vorgegangen werden und auf Verletzungen geachtet werden. Vor allem im Bereich der Wirbelsäule. Nachdem der Verschüttete komplett freigeschaufelt ist, ist es wichtig, dass dieser gewärmt wird. Er wird stark unterkühlt sein.

 
Alarmierung

Oberste Priorität gilt im Falle einer Verschüttung der Kameradensuche. Bis Rettung eintrifft wäre es wie bereits am Anfang beschrieben in den meisten Fällen leider zu spät sein. Vor allem wenn man nur mehr alleine ist wäre eine Alarmierung somit vergeudete wertvolle Zeit. Bei größeren Gruppen kann auf alle Fälle sofort einer mit der Alarmierung beauftragt werden,  dieser sollte zumindest wissen, wo man sich befindet. Die anderen fangen inzwischen mit der Kameradenrettung an.

 
Mehrfachverschüttung

Im ungünstigsten Fall kann es auch zur Verschüttung von mehreren Personen kommen. Der Ablauf bleibt der Gleiche. Wichtig ist jemand, der sie Koordination übernimmt. Sobald ein Verschütteter gefunden und zumindest dessen Atemwege freigeschaufelt wurden ist es wichtig auch dessen LVS Gerät auszuschalten beziehungsweise auf dem eigenen Gerät zu markieren. Dann kann mit der Suche nach dem nächsten fortgefahren werden. Hier zahlen sich moderne Geräte von bestimmten Herstellern gegenüber ihren veralteten Kollegen aus. Viele Geräte haben bei Mehrfachverschüttung zum Teil große Probleme und man muss bereits sehr nahe zum nächsten Verschütteten herankommen um überhaupt ein Signal zu erhalten.

 
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