Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Fotos: Gargitter Helmut

Brunner Andreas

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Klettern in Taghia: wo die Straße endet beginnt das Kletterparadies

Die Reise nach Marokko fand im Rahmen des Projekts Alpinist vom Alpenverein Südtirol statt. Es war meine zweite Reise mit diesem Projekt. Nachdem es im Jahr zuvor nach Norwegen auf die Lofoten ging war unser Ziel diesmal der Hohe Atlas im Norden Afrikas. Die Gegensätze waren beeindruckend. Die anfangs karge Landschaft in der Umgebung von Marrakesch, unserem Ankunftsort mit dem Flugzeug, hatte nichts mit der wilden, zerklüfteten Umgebung der Lofoten zu tun. Je weiter wir jedoch während unserer sechs Stunden Fahrt mitten in das Atlasgebirge vordrangen, umso schöner wurde es auch landschaftlich. Von einem Kletterbaren Felsen war lange aber nichts zu sehen, bis kurz vor Ankunft in Zaouiad Ahansal, unserem ersten Zwischenstopp. Dort türmten sich die Kalkrießen schließlich vor uns auf. Ihr Anblick lässt garantiert jedes Klettererherz höher schlagen, vor allem da diese Felsen plötzlich vor einem stehen. 

Gastfreundschaft der Berber

Bei unserer Ankunft in der Gite d´etape von Fatima erlebten wir auch gleich die unglaubliche Gastfreundschaft der Berber, einer Volksgruppe, die heute rund 70% der Marokkanischen Bevölkerung ausmacht. Sofort wurden wir mit Pfefferminztee, Keksen und Kuchen empfangen. Nach dieser Stärkung legten wir uns vorerst in die Sonne, erholten uns von der anstrengenden Anreise, und bewunderten die traumhafte Kulisse. Wir konnten es kaum erwarten endlich Fels zwischen die Finger zu bekommen. Doch noch waren wir nicht am Ziel unserer Reise angekommen.

Klettern in Taghia

Nach einer erholsamen Nacht und einem köstlichen Frühstück, das keine Wünsche offen ließ, wurden am Morgen die Esel mit unserem Gepäck beladen und es ging in einem 2 Stündigen Marsch noch weiter Tal einwärts. Unterwegs begegneten uns immer wieder kleine Grüppchen von Berbern die sich die Zeit für ein kurzes Gespräch oder eine freundliche Einladung nicht nehmen ließen. So ging es durch eine Schlucht, später vorbei an in mühevoller Handarbeit angelegten Trassen für die Kornfelder, durchzogen von Wasserwaalen und immer entlang eines kleinen Baches bis zum Bergdorf Taghia, unserem zuhause für die nächsten 10 Tage. Auch hier gab es zur Begrüßung eine große Kanne mit Pfefferminztee und Keksen. Der Tee begann uns so gut zu schmecken, dass wir auch nach jeder Klettertour ein bis zwei Kannen voll leerten. Das Dorf selbst könnte für Kletterer kaum besser liegen. Jede Menge Felswände in allen Expositionen sind in kürzester Zeit zu Fuß und direkt vom Schlafsack aus erreichbar. Trinkwasser kann bequem beim Zustieg aus einer wunderschönen Quelle gefasst werden. 
 

Ein Fels gewordener Traum für Kletterer

Die Kletterei selbst verläuft meist über Platten, selten in Verschneidungen oder Rissen, aus diesem Grund sind die Routen zum größten Teil perfekt mit Bohrhaken ausgestattet. Wo es möglich ist selbst Zwischensicherungen anzubringen, sind auch hin und wieder Friends oder Keile nötig. Der Fels ist ein Traum zum Klettern. Ziemlich rau und bombenfest, kann man sich selbst auf kleinsten Griffen und Tritten halten dass es nur so ein Genuss ist. Die Schwierigkeiten sind meist technischer Natur, aber auch eine Menge Finger- und Armkraft ist gefragt, da die Routen immer in steilstem oft sogar leicht überhängendem Fels verlaufen. Die ersten Tage hatten wir immer wieder mit dem Wetter zu hadern. So mussten wir unsere erste Tour „Belle et Berbere“ vor den letzten beiden Seillängen abbrechen und die Route über ein Ausstiegsband verlassen, da wir in ein Gewitter gerieten. Am darauffolgenden Tag kletterten wir jeweils verschiedene Routen daneben, die es uns ermöglichten, die letzten beiden Seillängen der ersten Route im oberen Bereich zu vollenden. Auch hierbekamen wir beim Abstieg wieder eine Dusche verpasst. 

Der arabische Wettergott meinte es nicht immer gut mit uns

Der nächste Tag schließlich war komplett verregnet und es kühlte spürbar ab. Wir beschlossen, es mit Sportklettern zu versuchen. Tatsächlich waren im mittleren Bereich des Klettergartens einige Routen die sich unter einem Dach befinden trocken. Schließlich kam es sogar so weit, dass wir in Marokko ein Lagerfeuer entzünden mussten, um unsere Hände zu wärmen. Das hätten wir uns vor der Reise nicht gedacht. Und das Wetter wurde nicht besser. Für den Montag war die Prognose bewölkt aber kaum Niederschlag, so beschlossen wir die Route „Au nom de la Réforme“ auf den Taoujdad zu versuchen. Vor uns kletterte eine Belgische Seilschaft, die etwas schwer in die Gänge kam, und wir mussten uns ziemlich lange gedulden, bis auch unsere 3 Seilschaften starten konnten. Die Temperatur an diesem Tag war ziemlich frostig, und es hatte am Tag zuvor sogar auf den etwas höheren Gipfeln im Umfeld geschneit. Mit Schuhplattlereinlagen bei den Ständen und allen möglichen Aufwärmübungen schafften wir es dann auch etwas unterkühlt aber glücklich auf den Gipfel. Die Route selbst ist ein absoluter Traum zum Klettern. Bei unserer Rückkehr im Dorf wurden wir dann von einer Schar Kindern empfangen, die gerne Schokolade oder Bonbons ergattert hätten, aber auch die Nüsse und getrockneten Früchte die wir anzubieten hatten wurden mit Freude entgegengenommen.