Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Klettern in

NORWEGEN

Fotos: Gargitter Helmut

Brunner Andreas

  • Instagram Gargitter Helmut
  • Instagram Brunner Andreas

Klettern im feinsten Granit der Lofoten

Hoch motiviert, mit einem großen Sortiment Friends und Klemmkeilen und jeder Menge Abenteuerlust reiste unsere kleine Gruppe in den hohen Norden. Aus den Fjorden ragen Granitwände der Extraklasse in die Höhe; ganz der lokalen Ethik entsprechend liegt die Herausforderung darin, nur mit mobilen Sicherungsmitteln Platten, Risse und hohe Wände zu meistern.

Prädikat: Atemberaubend schön. Die Landschaft auf den Lofoten

Wenn ich die Landschaft nennen müsste, die mir bisher am Besten gefallen hat, meine Wahl würde höchst wahrscheinlich auf die Lofoten fallen. Es ist ein Platz zum Träumen. Malerische Fjorde, umgeben vom satten Grün der Blaubeermatten und Birkenwälder, die wiederum Überragt werden von schwarzen Granitwänden. Als wäre das noch nicht genug, geht das Farbenspiel unter Wasser weiter und zaubert die prächtigsten Farbkombinationen auf das Auge des Besuchers. Die Idylle dieser Landschaft bewirkt, dass sich sofort nach Ankunft ein Gefühl tiefster Zufriedenheit und Ruhe im Körper ausbreitet. Der perfekte Platz zum entspannen und die Seele baumeln zu lassen. Doch dafür waren wir nicht gekommen.

Lehrstunde in Sachen Rissklettern

Uns lockten ganz andere Gründe in diese zerrissene und wilde Gegend. Feinster Granit von legendärer Beschaffenheit. Für uns Dolomitenkletterer eine völlig neue Erfahrung waren die Risssysteme, beispielsweise am Presten, die sich an der 400 Meter hohen Wand nach oben winden. Die ersten Versuche ernüchternd: "Ein Haufen blutiger Anfänger bei den ersten Kletterversuchen"; so kamen wir uns vor. Es versohlte uns am Anfang ordentlich den Hintern bis wir das System kapiert hatten und die Technik des Risskletterns verstanden. Nichtsdestotrotz konnte man amüsiert beobachten wie jede noch so kleine Leiste außerhalb des Risses sofort benützt wurde. Unserer Herkunft aus der Platten-, Verschneidungs- und Dächerkletterei konnten wir nicht leugnen.

Der Tag der niemals endet

Auch ungewohnt aber etwas woran ich mich definitiv gewöhnen könnte: Die Mitternachtssonne. Stress in der Tour wegen einbrechender Dunkelheit gibt es im Juni auf den Lofoten nicht. Egal zu welcher Tageszeit man die Lust verspürte zu klettern oder in eine hohe Wand einzusteigen, man konnte direkt loslegen. Das Problem bestand eher darin einen Tagesrhythmus zu finden. So kam es vor dass der eine oder andere um 2 Uhr morgens aufstand, Kaffee machte und sich wunderte wo der Rest der Truppe denn bleibt.

Spielplatz für Alpinisten

Die Ethik auf den Lofoten, die auch von jedem Kletterer der zu Besuch kommt respektiert wird, sieht vor, dass alle Routen clean bleiben sollen. Das bedeutet, am Gurt baumeln jede Menge Keile, Friends, Nuts und sonstiges Sicherungsmaterial. Sämtliche Zwischensicherungen sind selbst zu legen, Stände selbst zu bauen. Der Nachsteiger sammelt alles wieder ein und somit werden alle Spuren beseitigt. Nur in der Erinnerung des Kletterers hinterlassen die wunderbar abzusichernden Risse und die atemberaubende Kulisse tiefe Spuren. Routennamen wie „Himmelen ken vente“ (der Himmel kann warten) passen wie die Faust aufs Auge. Das Paradies wartet nicht dort oben, das Paradies liegt hier auf den Lofoten.