Skitouren in

NORWEGEN

Fotos: Brunner Andreas

Skitourenreise ins Land der Polarlichter: 

die Lyngenalpen im hohen Norden

Mit Skischuhen am Strand stehen. Abschwingen direkt am Meer. Sowas geht nur ganz weit im Norden. Wie weit nördlich die Lyngen Alpen in Norwegen eigentlich wirklich liegen wird einem erst beim genaueren Blick auf die Karte bewusst. Sobald man nämlich dem 69en Breitengrat entlang Richtung Westen folgt stellt man fest, dass das Zentrum Grönlands sowie die nördlichsten Zipfel Alaskas auf gleicher Höhe liegen. Dass hier ab März Skitouren möglich sind ist also nur der Nähe zum Meer und somit dem Golfstrom zu verdanken. Ebenso wie die faszinierende und wunderbare Landschaft im Norden Norwegens.

Anflug auf Tromso

Bereits beim Anflug klebt die Nase an der Scheibe des Flugzeugs. Wie aus dem Bilderbuch erheben sich weiße Berge aus dem Meer und ergeben das Bild einer wild zerklüfteten Landschaft. Der ungewohnte Anblick hat etwas magisches. Kaum erwarten können wir es, die ersten Schwünge in diesen atemberaubenden Hängen zu ziehen. In 2 Stunden geht es auf schneebedeckten Straßen mit spike-bestückten Reifen an unseren Autos vom Flughafen in Tromso nach Kvalvik, südlich von Lyngseidet. Hier beziehen wir ein gemütliches Haus, gebaut im Wikingerstil. Sofort fühlen wir uns wohl in Norwegen.

Erstmal einen Überblick verschaffen

Die erste Tour sollte direkt am Nordzipfel der Halbinsel auf den Ruossovarri führen. Der Winter hatte es in diesem Jahr nicht gut gemeint mit den Skitourengehern in Lyngen. Die Berge waren zwar weiß doch gab es kaum eine vernünftige Unterlage. Dort wo Wind im Spiel war, waren die Hänge gar komplett abgeblasen. Das war am Nordzipfel leider der Fall. Wir konnten weiter südlich auf den Stetinden ausweichen wo es tatsächlich gute Bedingungen und sogar eine kleine Pulverauflage gab.

Super Bedingungen: man musste diese aber erstmal finden

Unsere Taktik für die nächsten Tage war es Hänge in möglichst Windgeschützen Hängausrichtungen zu suchen, was gar nicht einfach war. Es gelang uns aber bestens mit der Tour auf den Store Kjostinden. Die schönste Tour der Woche und ein kleiner Vorgeschmack auf den viel gerühmten Pulverschnee in Lyngen. Weniger Glück hatten wir bei der Jiehkevarri Traverse und auch von der Tour auf den Daltinden können wir nicht von guten Schneebedingungen schwärmen. Was uns aber allen in Erinnerung bleiben wird sind die extrem kalten Temperaturen gepaart mit eisigem arktischen Wind. Hier spürten wir dann doch wieder dass wir uns 350 km nördlich des Polarkreises befanden.

Die warmen Glieder aufwärmen: in der Hauseigenen Sauna

Nach der Skitour in die warme Sauna, so stellten wir uns das für unsere Reise nach Norwegen vor. Es gab allerdings einige Haken. Das eine war es die Sauna zu finden. Die Beschreibung des Vermieters: „There is a small black House in the little forest across the street“. Bis wir die Sauna gefunden hatten war es bereits spät. Außerdem musste die Sauna selbst eingeheizt werden. Ein Holzofen sowie Holz stand bereit. Tags darauf begaben Armin und ich uns frühzeitig zum kleinen schwarzen Häuschen in diesem kleinen Wald um Feuer zu machen. 2 Stunden später saßen wir dann alle im inneren der Sauna, in unsere Jacken gehüllt. Nach und nach wurde es dann endlich wärmer und wir erreichten die für finnische Saunas üblichen Temperaturen. Romantik pur, aber mit einigem Aufwand verbunden. Dafür wird uns dieses Erlebnis aber in Erinnerung bleiben.

Tromso – Eismeerkathedrale und nördlichste Universität der Welt

Einen Tag Pause gönnten wir uns um die Stadt Tromso zu besuchen. Hier leben immerhin rund 75000 Einwohner, davon fast ein Viertel Studenten. Eine extrem junge und multikulturelle Stadt mit vielen Museen und einer wunderschönen Kathedrale, der Eismeerkathedrale. Bei der Rückfahrt entschieden wir uns für eine alternative Route zurück nach Lyngenseidet. Die Fähre die im Stundentakt zwischen Breivikeidet und Svensby verkehrt. Es wäre definitiv eine gute und schnelle Alternative zur Runde mit dem Auto, würde man sie nicht um 1 Minute verpassen.

Nordlichter

Was wir uns sehnlichst wünschten war natürlich die magischen Polarlichter, auch Aurora Borealis genannt, zu Gesicht zu bekommen. Sie entstehen wie von Zauberhand am Himmel. Die Intensität hängt dabei von der Stärke der Sonnenwinde ab und die daraus entstehenden Teilchen welche in die Erdatmosphäre eindringen. Übersichtlich gestaltete Apps wie Aurora Forecast helfen, indem sie die Wahrscheinlichkeit Nordlichter zu sehen vorhersagen, sowie deren mögliche Intensität. Am vorletzten Abend gab es eine vielversprechende Prognose, sodass wir zu zweit rausfuhren und uns ein dunkles Plätzchen zu suchen. Wie von Zauberhand erschienen über unseren Köpfen die grün-violetten Lichter, bewegten sich mal schneller, mal langsamer über unseren Köpfen. Ein atemberaubendes Naturschauspiel. Nach 2 Stunden endete das Phänomen gleich rätselhaft wie es begonnen hatte und der Nachthimmel wurde wieder dunkel.

Die Reise war ein voller Erfolg. Ich würde aber bei einer weiteren Reise in diese Region später im Jahr wiederkommen. Die Schneeverhältnisse sind in der Regel besser und sicherer. Der Tag ist wesentlich länger und vor allem sind auch die Temperaturen angenehmer. Lediglich für die Nordlichter müsste man dann zwar etwas länger aufbleiben aber das lohnt sich auf alle Fälle.

Hochtouren Basiswissen
Expedition zum Alpamayo
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Andreas Brunner Georg Plattner Str. 12  39040 Feldthurns

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