Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

Fotos: Brunner Andreas

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Alpamayo - French direct

Welcher der schönste Berg der Erde ist liegt im Auge des Betrachters. Als solcher wird er auf alle Fälle häufig bezeichnet. Der Alpamayo in der Cordillera Blanca in Peru. Und er schaut auch im Original nicht schlecht aus. Doch auch wer den Artesonraju gleich gegenüber als schönsten Berg der Welt bezeichnen würde hätte sofort meine Zustimmung. Lange Rede kurzer Sinn: Die Cordillera Blanca ist gespickt mit einigen der schönsten Berge dieser Erde und 4 von ihnen wollten wir im Juni 2017 besteigen.

Von 0 auf 4.200 mt. in 18.000 Sekunden

Klingt eigentlich nach viel. Bringt den Körper und den Bus aber ganz schön zum schnaufen. Von Lima, also null, geht es direkt nach der Ankunft mit der AirFrance Maschine aus Paris über die Punta Callán (4200 Meter über dem Meerespiegel) nach Huaraz auf 3100 Meter. Einfach so über Nacht. Beim Hochschleppen der Reisetasche in den 3. Stock unseres Hotels in Huaraz spüren wir gleich mal die Auswirkungen der nächtlichen Achterbahnfahrt. Pause bei jedem Stockwerk. Allen wird sofort bewusst dass eine ordentlich Akklimatisierung essenziell für unsere Gipfelziele auf über 6000 Metern sein wird.

Akklimatisierung muss nicht langweilig sein

Im Gegensatz zu anderen Regionen dieser Erde mit derart hohen Gipfeln bietet die Cordillera Blanca die Möglichkeit seine Akklimatisierungstouren als wunderschöne Bergtouren zu planen. Durch malerische grüne Täler zu surreal wirkenden Lagunen geht es teils weit über die 4000 Meter Marke, und jede dieser Touren wäre an sich schon eine Reise wert. Umgeben stets von den glänzend weiß herabstrahlenden Gletschern der umliegenden Berggipfel. Stets im Hinterkopf: bald werden auch wir dort oben sein.

Für 9 Tage ins Ishinca Valley

Bereits nach der ersten Nacht auf dem Weg ins Base Camp im Ishinca Valley hatte ich ein sch*** Gefühl. Nun verstand ich auch warum unsere Träger stets so pingelig mit dem Desinfektionsmittel für unsere Hände waren und uns vor jeder Mahlzeit daran erinnerten, ja sogar neben dem Essen mit dem Mittel standen. Das Gefühl war gottseidank rasch verflogen und die Energie konnte für das Bergsteigen genutzt werden. Dank der guten Akklimatisierung, für die wir uns gründlich Zeit genommen hatten, waren die ersten beiden Gipfelziele Urus und Ishinca der reinste Genuss. Als drittes Gipfelziel hatten wir den Tocclaraju auserkoren. Es war der einzige 6000er auf unserem Tourenplan. Nach nächtlichem leichtem Schneefall im Hochlager wurde das Wetter zum morgen hin immer besser. Vorbei an gewaltigen Seracs und Gletscherspalten, die unsere südtiroler Spältchen in den Schatten stellen, ging es Richtung Gipfel. Als wir über den Gipfelpilz zum Gipfel kletterten wurde das Wetter schlechter. Ein übliches Phänomen in der tropischen Region in welcher die Cordillera Blanca liegt. Nachmittags muss man häufig mit wechselhaftem Wetter rechnen. Dafür kann man morgens fast schon von Sonnenschein ausgehen. Die Aussicht vom Gipfel war damit leider etwas getrübt aber unsere Freude über den Gipfelsieg keineswegs.

Huaraz und das Schicksal mit den Naturgewalten

Zurück in Huaraz galt es erstmal die Füße hoch zu lagern und einen Tag Pause einzulegen. Wir buchten uns eine Massage und verbrachten den Tag auf dem Markt und in den Bars dieser Bergsteigerstadt, die eine ziemlich turbulente Vergangenheit hat. Allein im 20. Jahrhundert zerstörten Lawinen aus den Bergen der Cordillera Blanca gleich viermal Teile der Stadt. Im Dezember 1941 löste sich ein riesiger Serac und stürzte in den Palcacocha See auf 4500 mt. Es entstand eine gigantische Schlammlawine die in die Stadt donnerte und 7000 Menschenleben forderte. Zu allem Überfluss wurde die Stadt ein weiteres Mal schwer zerstört als am 31. Mai 1970 die Erde bebte. Damals verloren 10000 Menschen ihr Leben. Die Stadt wurde wieder komplett aufgebaut.