Dreischusterspitze - Normalweg (III)



Ein mühsamer Zustieg über 1000 Höhenmeter durch Latschen und Geröll und obendrauf die große Zinne. So in etwa darf man sich den Normalweg der Dreischusterspitze vorstellen. Als Belohnung darf man in einer der wilderen und ursprünglicheren Gegenden der Dolomiten - und mit größter Wahrscheinlichkeit alleine - unterwegs sein. Was allerdings im oberen Teil der Tour, dort wo sich auch die Schwierigkeiten der Route befinden, recht angenehm ist. Es liegt jede Menge loses Geröll und Steine herum, das Sichern am kurzen Seil ist über weite Strecken gar nicht so einfach und somit ist die Tour einem "Stolperer" definitiv abzuraten.



Die Tour beginnt am Parkplatz des Innerfeldthales und führt zunächst über Asphalt- und später Schotterstraße bis zur Dreischusterhütte. Hier einmal um die Hütte herum und mit einem freundlichen „Guten Morgen“ vorbei am Koch der Hütte, der bereits um 6 Uhr am Hintereingang zu seiner Küche steht. Jetzt nur noch an der Wäscheleine vorbei und hinein in die Latschen wo sich ein guter Pfad befindet der einem zunächst auf die Schusterlahne und danach leicht abwärts nach links dieses Schotterfeld querend unter einem Felssporn vorbei in einen tief ausgespülten Graben führt. Wer nicht noch im Halbschlaf ist und es schafft auf die zahlreichen Steinmänner zu achten, hat keine Probleme den richtigen Weg zu finden.



Sobald man den Graben überquert hat führt erneut eine Schneise durch dichte Latschen ordentlich steil hinauf in das Steinalpenkar. Hier sieht man direkt hinauf bis zur Steinalmscharte, die es nun gilt über eine der zahlreichen Steigspuren im Kar anzuvisieren. Bis zur Scharte rechnet man am besten mit 2.5 - 3 Stunden und hat gute 1000 Höhenmeter hinter sich gebracht.



Jetzt führt ein abschüssiges Band wieder mit deutlichen Pfadspuren den halben Berg auf dessen Südostseite querend immer auf gleicher Höhe bis zum Einstieg. Am Ende werden die Pfadspuren und Steinmännchen etwas weniger. Mit der richtigen Routenspürnase und offenen Augen findet man den Einstieg jedoch relativ problemlos.



Hier beginnt die eigentliche Kletterei. In einem brüchigen II-er Gelände geht es recht konstant nach oben. Das Gelände sieht links und rechts überall recht ähnlich aus und wird auch überall ähnlich schwierig sein. Somit einfach dem leichtesten Weg folgend immer höher steigen. Verschiedene mit Steinmänner markierte Pfade und Möglichkeiten bestätigen diese Theorie, dass viele Wege zum Gipfel führen. Neben Steinmännern sollte auch immer auf überpinselte Markierungen geachtet werden. Derjenige, der verantwortlich für dieses Meisterwerk ist, hat den perfekten Dolomitengrauton nicht getroffen und so findet man entlang des richtigen und ehemals rot markierten Weges jede Menge grauschwarze Farbkleckse. Schaut nicht nur scheiße aus, sondern macht das Leben der Bergsteiger nur unnötig schwieriger und bei schlechter Sicht auch gefährlicher.




Nach viel II-er, und dazwischen auch immer wieder längeren Passagen I-er Gelände, das jedoch stets die vollste Aufmerksamkeit verlangt, gelangt man zu einer Rinne direkt unterhalb der höchsten Türmchen der Dreischusterspitze. Hier kommen noch einige III-er Stellen, ein leicht überhängender Block den es zu überklettern gilt um erneut in ein Minischotterkar zu gelangen. Es folgt noch ein kurzes Headwall-chen ebenfalls im III. Grad und schon steht man als eine von wenigen Seilschaften pro Jahr auf dem höchsten Punkt der Sextner Dolomiten.



Belohnt wird man mit einem Gipfelpanorama der Extraklasse. Man darf von oben auf die 3 Zinnen hinunterblicken während man zu seiner linken die Sextner Sonnenuhr bewundern kann. Wer bereits durch den langen Aufstieg genug hat vom Dolomit, der wendet seinen Blick nach Norden wo der Hochgall sofort die Aufmerksamkeit in die Rieserfernergruppe lenkt. Ein Traum.




Ohne uns jedoch allzu lange auf unseren Lorbeeren auszuruhen wissen wir, dass auch der Abstieg nochmal unsere volle Aufmerksamkeit erfordert. Es kann zwar an einigen schwierigeren und steileren Wandbereichen abgeseilt werden. Der Großteil des Abstieges erfolgt jedoch höchst konzentriert und mit nur wenigen Sicherungsmöglichkeiten permanent im Absturzgelände. Konzentration und Trittsicherheit sowie geschärte Sinne für lockere Tritte und Griffe sollten nicht zu früh in den Ruhemodus geschickt werden.




Erst am Wandfuß, wo die Querung zurück zur Steinalpenscharte führt können wir die Anspannung und Konzentration lockern und den folgenden Abstieg zurück über den bekannten Aufstiegsweg über Geröll und steile Latschen mit müden Beinen so richtig „genießen“. Nach einer tagesfüllenden Tour trudeln wir glücklich und durstig in der Dreischusterhütte ein wo wir dem Ruf von einem kühlen Weizen nur allzu gerne folgen.



Topo: Dreischusterspitze - Normalweg (III)


Quelle: Sextner Dolomiten - Alpenvereinsführer (Richard Goedeke)


Toureninfos:


Höhenmeter: 1700 Meter

Zeitbedarf Zustieg: 2.5 - 3 Stunden

Zeitbedarf Kletterstrecke: 2.5 - 3 Stunden

Abstieg: 4 - 5 Stunden

Gesamt: 10-12 Stunden

GPX Daten:

Dreischusterspitze
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Tags: Alpinklettern, Sextner Dolomiten, Dreischusterspitze, Normalweg, Topo

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