Großglockner - Pallavicinirinne (55°)


Die Pallavicinirinne auf den Großglockner sollte meine erste Nordwand werden. Zusammen mit Armin, der mir die nötige Ausrüstung geliehen hatte, machten ich mich auf den Weg nach Osttirol. An der Glockner Hochalpenstraße parkten wir unser Auto bei der Franz-Josefs-Höhe und stiegen hinunter auf die Pasterze.

Wir waren nach der Arbeit aufgebrochen, um bereits noch am Freitagabend die Biwakschachtel auf der markanten Felsnadel unterhalb der Nordflanke des höchsten Berges Österreichs zu erreichen. Das Wetter für das Wochenende war wolkenlos vorhergesagt. Jedoch am Freitag war noch nichts von diesem Bombenwetter zu spüren. Durch das Schneegestöber suchten wir uns unseren Weg im Schein der Stirnlampen. Nur auf unseren Instinkt konnten wir uns bei null Sicht verlassen und standen tatsächlich nach rund 3 Stunden Zustieg vor der Schachtel.


Wir hatten uns erhofft, dass wir mit dieser Taktik der Gefahr eines hoffnungslos überfüllten Biwaks ausweichen. Tatsächlich waren außer uns nur 3 Tschechen im Biwak. Einen von ihnen hatte die Grippe erwischt und er wollte am nächsten Tag alleine absteigen, währen die anderen beiden über die Aschenbrenner den Gipfelsturm geplant hatten.




Die Nacht verlief aufgrund der ständigen Hustenanfälle des kranken Kollegen ehern wenig erholsam. Es war lediglich ein warten bis wir endlich losstarten konnten. Als es endlich soweit war, krochen wir aus den Schlafsäcken, packten zusammen und waren auch schon weg. Wir folgten ein Stück dem Grat und querten entlang des Gletscher unter die Einstiege zu den verschiedenen Nordwandrouten. Vorbei an der Mayerlrampe und dem Einstieg zur Aschenbrenner gelangten wir schließlich zur fast ganz links liegenden Pallavicinirinne - dem wohl berühmtesten Eisanstieg Österreichs.



Die Tschechen die vor uns gestartet waren hatten entweder Route verfehlt, oder es sich anders überlegt. Auch sie waren in der Pallavicinirinne unterwegs. Bald hatten wir die etwas überforderten Jungs überholt und stiegen in bestem Trittfirn höher und höher. Im oberen Bereich sicherten wir die Eispassagen und ließen den Tschechen unsere Eisschrauben im Eis hinten, nachdem sie uns darum gebeten hatten. Wir sind zwar etwas irritiert, was sie dann hier zu suchen haben, helfen aber gern. Nach einigen Metern Gewühle im tiefen Schnee erreichen wir die Scharte unterhalb des Gipfels und steigen die letzten Meter über den Normalweg zum Kreuz nach oben. Genießen das traumhafte Spätherbstwetter und die Ruhe am Gipfel.



Zurück in der Scharte bekommen wir von den Tschechen, die gerade von der Rinne hochkommen unsere Schrauben zurück und beginnen mit dem Abstieg. Für dieses Traumhafte Wochenende hatte sogar die Stüdlhütte nochmal extra ihr Tore geöffnet und war restlos ausgebucht, wie wir von einem Bergführer erfahren hatten. Auf Fotos sahen wir dann wie es am nächsten Tag auf dem Grat zugehen sollte.



Nicht viel anders war die Situation in der Biwakschachtel. Als wir den grausamen Gegenanstieg von der Pasterze zurück zur Franz-Josefs-Höhe hinter uns gebracht hatten schauten wir hoch zum Biwak, wo sich die Punkte nur so tummelten und immer noch Alpinisten starteten um die perfekten Bedingungen zu nutzen. Wir waren heilfroh, dass wir uns das Schneegestöber am Tag vorher angetan hatten und nicht die kommende Nacht in einer überfüllten Biwakschachtel oder sogar draußen vor der Schachtel verbringen müssen.


Topo: Großglockner Pallavicinirinne


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Tags: Hochtour, Österreich, Ostalpen, Großglockner, Nordwand, Pallavicinirinne

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