Hochbrunnerschneid - Menschenfresserrinne

Aktualisiert: Juni 25

Wunderbare anspruchsvolle Skitourenrunde ausgehend vom Fischleintal in den Sextner Dolomiten auf die Hochbrunnerschneid - Menschenfresserrinne - Sentinellascharte und zurück. 1900 Hm und 45°.

5 Jahre hatte ich diese Tour bereits in meinem Hinterkopf gespeichert. Als ich damals ein Foto eines Skifahrers in einer wunderschönen Steilrinne in atemberaubenden Ambiente inmitten der Dolomiten gesehen hatte, wusste ich sofort: Da muss ich hin. Jedoch wurde ein großer Hype um die sogenannte Menschenfresserrinne gemacht. In der Beschreibung wurde sie als Geheimtipp angepriesen und es dürfe nicht verraten werden wo sich diese Rinne befindet. Nach etwas Recherche wusste ich, dass ich diese Rinne an der Hochbrunnerschneid inmitten der Sextner Dolomiten finden werde.


Jedoch dauerte es noch einige Zeit, bis die Verhältnisse richtig ideal waren. Nachdem wir bereits in den Tagen zuvor am Tagewaldhorn und am Plattkofel allerbeste Verhältnisse in den steilen Rinnen vorgefunden hatten, wusste ich: jetzt oder nie.



Wir parkten unser Auto am Dolomitenhof im Fischleintal und spazierten gemütlich entlang der Loipe bis zur Talschlusshütte. Hier war dann schnell vorbei mit gemütlich: Über Unmengen an Lawinenkegel suchten wir uns einen Weg durch das lawinengefährliche Bacherntal. Der Schnee war hartgefroren aber dafür schön griffig. Links des Hohen Leist stiegen wir durch eine enge Schlucht höher. Zeitweise so eng, dass wir für einige Schritte zu Fuß stapfen mussten.

Vermutlich wäre es hier besser links des Grabens entlang eines großen Hanges empor zu steigen um in des sogenannte „Innere Loch“ zu gelangen. Einem beeindruckenden Kessel umgeben von gewaltigen Dolomitenwänden. Gerade vor uns: Der Gipfel der Hochbrunnerschneid. In unserem Rücken wunderschön eingeschneit der Zwölferkofel und dahinter die Drei Zinnen im Profil von der Seite. Ein Hauch von Patagonien machte sich breit, so wie der Schnee an den steilen Felswänden klebte und oben wie Schneepilze auf den zahlreichen Türmchen hing.


Bevor es am Ende des Kessels wieder steil in Richtung Gipfel geht, sahen wir bereits links davon die Scharte, die wir anpeilen mussten, um in die Menschenfresserrine zu gelangen. Wir entschieden uns aufgrund der miserablen Schneeverhältnisse entlang des Normalwegs dagegen, den Gipfel mitzunehmen.


An der Scharte angekommen fanden wir uns auf einer riesigen Wechte wieder. Nach einer kurzen Stärkung machten wir uns ans Werk und gruben uns durch die Wechte hinaus in die Rinne. Hier stiegen wir noch ein paar Meter zu Fuß ab bis wir halbwegs angenehm die Ski anschnallen konnten.


Zunächst wurde die Rinne kurz richtig eng und gleich darauf nochmal sehr breit. Die Steilheit ist über die ganze Rinne konstant, gerade so, dass wir bei diesen super Schneeverhältnissen noch richtig Spaß hatten und den einen oder anderen Blödsinn einbauen konnten, während wir durch diese wirklich atemberaubend schöne und - unterhalb des breiten Trichters im oberen Bereich - konstant breite Rinne nach unten kurvten. Insgesamt 600 Hm ist die Rinne lang und wird dabei immer um die geschätzt 40-45° steil sein.


Am Auslauf der Menschenfresserrinne fanden wir uns erneut in einem von rießigen Felswänden umgebenen Kessel, dem "Vallon Popera" wieder. Unser Blick ging nach links, wo wir die Sentinellascharte erblickten. Unser nächster Punkt, den wir anzupeilen hatten. Felle wieder rauf auf die Ski und nochmal rund 500 Höhenmeter Aufstieg durch feinsten Pulverschnee. Kein Vergleich mit den miserablen Schneeverhältnissen auf der Aufstiegsspur zur Hochbrunnerschneid - dafür anstrengende Spurarbeit.

Angekommen an der Sentinellascharte freuten wir uns nochmal auf 1200 Hm Abfahrt. Wir waren nicht wirklich auf gute Schneeverhältnisse eingestellt, aber unsere Erwartungen wurden übertroffen. Zunächst nochmal steil von der Scharte weg ging es ungefähr 200 Höhenmeter durch ein schmales Tal, bis sich das Gelände öffnet und man sich in den wunderschönen und genussvollen Skihängen des Anderteralpen Kars wiederfindet. Erst im letzten Hang kam der befürchtete Schnee und wir mergelten die letzten Meter bis zur Talschlusshütte und fühlten uns dabei wie blutige Skianfänger.

Bei den richtigen Verhältnissen eine absolute Traumtour die alles zu bieten hat, was das Herz eines ambitionierten Skitourengehers höher schlagen lässt. Und absolut Wert die 5 Jahre auf diesen Tag zu warten und als erstes in dieser Saison eine so großartige Linie bei allerbesten Verhältnissen zu befahren.


Hier ein kurzes Video der Tour:



GPX Daten:

Hochbrunnerschneidgpx


Tags: Skitour, Südtirol, Skitourenrunde, Dolomiten, Sextner Dolomiten, Hochbrunnerschneid, Menschenfresserrinne, Sentinellascharte

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