Hohe Gaisl - Innerkofler (IV-)



Die Hohe Gaisl in den Pragser Dolomiten gilt als eine der anspruchsvolleren Dolomiten 3000-er. Die Anzahl der Besteiger halten sich in Grenzen weil dieser Berg nach wie vor frei von Eisenstiften und Drahtseilen geblieben ist – zum Glück. Hier kann man noch in einem ursprünglichen alpinen Ambiente und ziemlich wahrscheinlich alleine den Spuren der Erstbegeher folgen. In unserem Fall jenen von Sepp Innerkofler auf seiner Route, die er 1882 durch die Ostwand eröffnet hat.



Wir parkten unser Auto auf der Plätzwiese und folgten zunächst dem Steig Nr. 3 vorbei an der Stollalm um kurz darauf den Weg links zu verlassen und zwischen Latschenkiefern hinein in ein kleines Tal zu gelangen. Immer etwas links haltend peilen wir die Cadin di Croda Rossa an. Ein Blockgletscher zwischen den Felswänden der Punta del Pin und der Gumpalspitzen. Dass hier ehern selten Menschen unterwegs sein dürften bemerken wir an den vielen Kriegsrelikten: ganze Bombensplitter und „Fluttern“ finden wir im Gelände herumliegen. Sie sind stumme Zeugen einer traurigen Vergangenheit in diesem Teil der Dolomiten. Unzählige Soldaten mussten in einem sinnlosen Stellungskrieg während des ersten Weltkrieges ihr Leben lassen.



Bald erreichen wir das breite Tal „Cadin de Croda Rossa“. Vor uns ragt sie auf wie eine Bastion aus Fels: Die Hohe Gaisl. In der Mitte des Felsmassivs führt eine Schneerinne zum Einstieg. Hier seilen wir uns an und beginnen mit dem kurzweiligen Aufstieg am kurzen Seil.



Über den Felssporn versuchen wir den einfachsten Weg zu finden. Recht neue rote Markierungen hin und wieder bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Am Ende dieses Sporns gelangen wir über ein Band, das wir nach links queren, bis zu einer Kaminreihe.



Die Kletterei wird etwas knackiger und wir nehmen die Hände aus den Hosentaschen um in 4 kurzen Seillängen im III. Schwierigkeitsgrad durch die Kamine zu klettern. Standplätze sind eingerichtet, lediglich das viele herumliegende Geröll kann für die Nachsteiger zu ungemütlichen Geschossen werden. Klettern auf Samtpfoten empfielt sich an der Gaisl generell, vom Einstieg bis zum Gipfel und wieder herunter.



Bevor die Kamine enden nicht den Ausstieg nach links verpassen, hier ist ein Quergang mit Bohrhaken eingerichtet der wiederum in einfacheres Gelände führt. Ein paar Höhenmeter ringen wir der Route wieder im kurzen Seil ab bevor ein weiterer Felsriegel den einfachen Weiterweg versperrt. Die Schlüsselstelle der Tour, ein kurzer und knackiger IVer, gut abgesichert, ist viel zu schnell vorbei. Wieder heißt es Seil aufnehmen und über Schuttbänder den Steinmännern folgend höher zu steigen.



Kurz darauf stehen wir erneut vor einer steilen Felswand. Geschickt ist es Sepp Innerkofler damals gelungen auch hier einen einfachen Weg zu finden der wiederum in einer Kaminreihe bis zum nächsten breiteren Band führt (III). Wiederum links haltend erreichen wir das Amphitheater und können die Hände zunächst wieder in die Hosentaschen stecken. Wir nehmen eine Scharte ins Visier, die relativ Zentral am Ende der Schuttterasse liegt.



Hände wieder raus, es darf wieder geklettert werden. Zunächst auf einem Sporn, hat es den Innerkofler Sepp bald wieder in einen Kamin verschlagen. Auf einem eingeklemmten Block findet sich ein Standplatz und es geht weiter der logischen Linie folgend. Hin und wieder ein roter Punkt zur Bestätigung der eigenen Spürnase und Steinmänner für die Orientierung zwischendurch sind ständige Begleiter dieser Tour.



Erneut spuckt einen die Kamin, Wand und Spornkletterei auf einem Schuttkegel aus. Der Gipfel ist nun zum Greifen nah. Den deutlichen Pfadspuren folgend steigen wir nun flott höher, der aufsteigender Nebel und hohe Wolkentürme gefallen uns gar nicht. Nochmal kurz schräg rechts hinauf auf den Grat kletternd erreichen wir die Höhe des Gipfels. Über kühne Grattürmchen des coolen und einmaligen Gipfelgrates stehen wir kurz darauf neben dem Gipfelkreuz.



Ein riesiges Plateau würde zum längeren verweilen einladen. Wäre da nicht die drohende Gewittergefahr und der lange, nicht zu unterschätzende Abstieg über die Aufstiegsroute. Ohne lange zu fackeln beginnen wir mit dem Rückzug. Abkletternd und abseilend geht es entlang der mit steinigen Geschossen gespickten Rinnen. Im Aufstieg habe ich mir an einigen Stellen gedacht: Shit da müssen wir gut aufpassen beim Abseilen. Tatsächlich sind die Standplätze aber wirklich gut platziert und an den meisten Stellen vom Steinschlag gut geschützt, hier hat definitiv jemand mitgedacht.



So geht es der Aufstiegsroute entlang wieder runter, wer sich die Abseiler im Aufstieg gemerkt hat, wird keine Schwierigkeiten haben. Nachdem wir über die Schlüsselstelle abgeseilt haben orientieren wir uns in Abstiegsrichtung rechts. Hier gibt es eine Abseilpiste, mit 3 x 25 Meter, die rechts hinunter auf ein Schotterfeld führt.



Sobald wir auch das erreicht haben fühlen wir uns vor dem Wetter sicher und steigen gemütlich hinunter bis zu einer Scharte die uns wieder zurück in den Talkessel der Cadin de Croda Rossa führt.



Die Hohe Gaisl zählt definitiv zu einem meiner Lieblingsberge. Das abgeschiedene, wilde und ursprüngliche Ambiente gefällt mir so gut, dass ich über die Brüchigkeit der Felsen und die für Steinschlag idealen Rinnen hinwegsehen kann.





Topo: Hohe Gaisl - Innerkofler (IV-)



Quelle: Alpenvereinsführer - Sextner Dolomiten Extrem (Richard Goedeke)


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Tags: Alpinklettern, Südtirol, Dolomiten, Hohe Gaisl, Croda Rossa, Innerkofler, Topo

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