Hohe Gaisl - Umrundung



Die Hohe Gaisl, oder der in italienisch noch viel passendere Name für diesen Berg, die Croda Rossa, ist landschaftlich sicherlich eine der schönsten und nach wie vor wildesten Gegenden in den Dolomiten. Durch einen hohen Eisenanteil im Gestein des nördlichsten Dolomitendreitausenders bekommt der Berg diese für ihn so charakteristische roströtliche Farbe. Und passend dazu den aus dem italienischen übersetzten Namen "Rote Zinne".



Sie im Sommer zu besteigen ist ein schwieriges Unterfangen, sie im Winter zu besteigen noch wesentlich anspruchsvoller. Eine dritte, aber auch bei weitem nicht einfache Möglichkeit, in den Genuss dieser atemberaubenden Landschaft zu kommen, ist eine Umrundung. 2.300 Höhenmeter, 25 Kilometer Strecke und steile Rinnen sowohl im Aufstieg als auch in der Abfahrt sind zu meistern. Dazu müssen auch die Verhältnisse in Bezug auf die Lawinengefahr in allen Expositionen passen. Eine Skitour, die nur über einen relativ kurzen Zeitraum im Jahr möglich ist.



Ausgangspunkt ist der Parkplatz auf der Plätzwiese in Prags. Wer noch etwas mehr Höhenmeter und Strecke machen will und sich dafür ein erneutes Auffellen mit Gegenanstieg am Ende der Tour sparen möchte, der kann auch etwas weiter unten beim Brückele starten. Ansonsten geht es zunächst nicht ganz 100 Höhenmeter vom Gasthof Plätzwiese bergab bis zur Stollaalm. Hier gilt es gleich die erste wichtige Entscheidung zu treffen. Macht man die Umrundung im Uhrzeigersinn oder dagegen. Wir entscheiden uns aufgrund der aktuellen Schnee- und Wettersituation für die Umrundung der Hohen Gaisl gegen den Uhrzeigersinn.



Das bedeutet, dass unser erstes Etappenziel die Nordrinne sein wird. Also folgen wir ab der Stollaalm in etwa dem Sommerweg Nr. 3, der uns in Richtung Gumpalböden und weiter in den großen und beeindruckenden Kessel der Cadin del Ghiacciaio führt. Landschaftlich also gleich besonders beeindruckend: Über die flacheren Böden nordöstlich des Gipfels geht es gerade auf die senkrechte 500 Meter hohe Felswand zu. Hinein in ein rötliches Amphitheater umgeben von senkrechten Wänden. Die versteckte Nordrinne, die erst direkt am Fuße der Felswand zu sehen ist, kann man nur erahnen und man fragt sich ob es hier tatsächlich irgendwo auch wieder raus geht.



Aufgrund der Dimensionen der umgebenen Wände zieht es sich, bis man am Beginn der Nordrinne steht. Bald werden die Ski auf den Rucksack geschnallt und es geht mit den Steigeisen über die nach oben immer steiler werdende Rinne. Im oberen Bereich sind Steilheiten von über 50° und am Ausstieg bei der Wechte auch deutlich mehr zu erwarten. Im oberen Bereich der Rinne werden wir von ersten wärmenden Sonnenstrahlen erwartet. Eine wahre Freude nach den etlichen Metern bis hier hin, die im Schatten der Hohen Gaisl zurückgelegt werden müssen.



Oben an der Scharte erwartet uns nicht nur Sonne, sondern auch ein bissiger Nordwind und so fackeln wir nicht lange und fahren über die wesentlich weniger steile Westrinne hinunter in das südlich der Kleinen Gaisl liegende Kar Ra Montejela. Insgesamt 700 Höhenmeter geht es bei der ersten Abfahrt auf der bellunesischen Seite in Richtung Valon Scuro. Auf einer Höhe von 1.900 Metern fellen wir wieder auf. Es folgt der Aufstieg in Richtung Colfredoscharte.



Durch einige letzte Bäumchen vor der Waldgrenze hindurch ziehen wir unsere Spuren hinein in das Valbones. Wir befinden uns nun auf der Südseite der Hohen Gaisl. Die Überschreitung der Colfredoscharte mit Abfahrt ins gleichnamige Tal östlich der Scharte ist eine beliebte uns viel begangene Skitour in der nähe von Cortina d´Ampezzo.




So stoßen wir bald auch bald wieder auf eine gute Spur und zahlreiche Skitourengeher, die auf dem Weg in die Scharte sind. Wir mischen uns unter die italienischen Tourengeher und stehen bald mit einem bunt gemischten Haufen auf der Scharte. Auch hier pfeift uns der bereits aus der ersten Scharte bekannte Nordwind um die Ohren. Wir verlieren nicht viel Zeit und machen uns über eine fürchterliche Buckelpiste auf dem Weg hinunter in das Val Colfredo. Glücklicherweise ist dies die einzige von drei Scharten, die so stark frequentiert ist.



Wir fahren ab bis auf fast 2.200 Meter. Dann taucht links oben die Pin Scharte auf. Dem letzten Übergang, bevor sich der Kreis wieder schließt. Auch hier gehen wir so lange es geht mit den Fellen auf den Skiern. Bald schon lohnt es sich jedoch diese auf den Rucksack zu schnallen und durch die inzwischen aufgefirnte Südflanke hinauf zur Scharte zu steigen.




Beim Aufstieg kommt uns ein italienischer Bergführer mit zwei Kundinnen entgegen und gratuliert uns zur Entscheidung die Rinne in dieser Richtung zu machen.



Als wir oben an der Scharte sind wissen wir sofort, was er gemeint hat. Auf der letzten der drei Anfahrten werden wir noch mit tollem Pulverschnee belohnt. Nach einer mittelmäßigen- sowie einer fürchterlichen- ist diese letzte Abfahrt zwischen der Punta del Pin sowie den Gumpalspitzen zurück zum Parkplatz noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen dieser wunderbaren Umrundung.



Fakten:


2.300 Höhenmeter

25 Kilometer

3 Scharten

1 Runde um die Hohe Gaisl

0 Gipfel


GPX Daten:

Hohe Gaisl - Umrundung
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Tags: Skitour, Südtirol, Dolomiten, Prags, Hohe Gaisl, Umrundung, Nordrinne, Colfredoscharte, Pin Scharte

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