Jumbo Jet (WI5+)

Aktualisiert: Juni 30

Ein wunderschöner Tag zum Eisklettern im Langental lag vor uns, es hatte einige Zentimeter frisch geschneit und die Landschaft war traumhaft winterlich. Eigentlich fast schon kitschig. Leider aber sollte der Tag eine traurige Wendung nehmen. Doch der Reihe nach.

Es ist ein langer Zustieg zum Jumbo Jet - 3 Stunden vom Parkplatz

Zusammen mit Armin startete ich sehr früh an diesem Samstagmorgen ins Langental. Wir erwarteten einen großen Andrang. Die Bedingungen zum Eisklettern waren perfekt. Wie erwartet standen bereits einige Autos auf dem Parkplatz. Wir schlenderten hinein ins Tal mit dem Jumbo Jet als anvisiertem Ziel. Auf Höhe der Abzweigung zum Piovra trafen wir auf 3 Italiener die wir vom Mistica Couloir im Dezember kannten. Wir plauderten ein bisschen mit ihnen. Sie wollten eigentlich zum Piovra, doch man konnte bereits von unten 2 Seilschaften erkennen. Zu allem Überfluss hatte einer der 3 seinen Helm zuhause vergessen. Ich empfahl ihnen hinauf zum Wasserfall La Piera zu gehen, den ich einige Wochen zuvor mit Florian geklettert war. Aufgrund des langen Zustiegs und der Abgelegenheit des Wasserfalls war es sehr Wahrscheinlich dass sie dort alleine sein würden. Ich zeigte ihnen noch die Abzweigung und erklärte den Weg und wir verabschiedeten uns und stiegen auf der gegenüberliegenden Talseite zu unserem Wasserfall hinauf.

Der Einstieg erfolgt links mit einer Seillänge WI4 und dann wird das Band bis zur oberen Säule gequert - Dann sind es nochmal 2 Seillängen WI5+


Am Einstieg trafen wir 2 bekannte, Alex und Arnold. Wir kletterten die erste einfache Seillänge hinauf und querten unter den Hauptteil des Jumbo Jet. Der Wasserfall präsentierte sich gar nicht so einfach. Ziemlich viel frisches röhriges Eis war gewachsen. Somit musste viel weggeschlagen werden.




Die ersten Meter konnte man recht angenehm zwischen zwei Säulen klettern bevor man auf die Vorderseite wechselte. Arnold musste den Stand an einer etwas ungünstigen Stelle machen da er mit den Kräften am Ende war. Ich folge Alex und machte meinen Stand rechts daneben.





Dann begann dieser bis dahin perfekte Tag eine andere Wendung zu nehmen. Zunächst führte Alex die nächsten Meter ihrer Seilschaft. Das Eis war aufgrund des Windes an den Tagen zuvor ziemlich spröde. Plötzlich löste sich eine Salatschüsselgroße Eisplatte und traf Arnold genau am Kiefer, Hals und Oberkörper. Er hatte große Schmerzen und blutete stark. Nach einigen Minuten erholte er sich langsam etwas und es schien nichts gebrochen zu sein. Er kletterte den Wasserfall sogar noch zu Ende. Am Abend verließ er das Krankenhaus mit Halskrause und 10 Tagen Krankenstand.






An meinem rechten Fuß sieht man noch das Blut von Arnold auf dem Eis

Das eigentliche Drama des Tages spielte sich aber auf der gegenüberliegenden Talseite ab: Plötzlich hörten wir den Hubschrauber. In einem so ruhigen Tal wie dem Langental kein gutes Zeichen. Er kreiste im Bereich der Zauberflöte und dem Zustieg zum La Piera Wasserfall. Schien jemanden an der Seilwinde abzulassen und war dann wieder weg. Als dann ein zweiter und sogar ein dritter Hubschrauber daherkamen, immer wieder Bergretter an der Seilwinde abließen, wieder starteten um die nächsten zu holen, wussten wir, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Aufgrund der Vorgänge musste eine Lawine abgegangen sein. Wir konnten aber aufgrund der Tatsache, dass so wenig Schnee in den Dolomiten lag, kaum daran glauben. Sofort dachte ich an die 3 italienischen Jungs die ich hoch zum La Piera Wasserfall geschickt hatte. Ich konnte es nicht fassen, dass ich sie dort hochgeschickt hatte und jetzt schaute es so aus als wäre ihnen etwas zugestoßen.



Wir kletterten mit gedämpfter Stimmung und mulmigem Gefühl im Magen unseren Wasserfall fertig und seilten uns ab. An den Rucksäcken schauten wir gleich auf unsere Handys. Viele besorgte Nachrichten und Anrufe deuteten auf nichts Gutes. In den Südtirol News entdeckten wir dann die traurige Nachricht, dass es am Zustieg zum La Piera Wasserfall eine Lawine gab und ein italienischer Eiskletterer gestorben war. Wir machten uns sogleich daran unseren besorgten Freunden und Familien Entwarnung zu geben und stiegen zurück ins Tal. Immer wieder machte ich mir den Vorwurf, dass ich sie dort hochgeschickt hatte, tröstete mich im nächsten Moment aber wieder mit dem Gedanken, dass in den Bergen jeder für sich selbst verantwortlich ist und eine eventuelle Lawinengefahr selbst beurteilen muss.



Der Rückweg vom Jumbo Jet ist weit, wir hatten viel Zeit über alles zu reden und nachzudenken. Plötzlich standen die 3 Italiener hinter einer Kurve vor uns. Meine Erleichterung war grenzenlos. Anfangs konnten sie nicht verstehen warum wir uns so sehr freuten sie wieder zu sehen. Sie hatten noch nichts davon mitbekommen was am Zustieg zur Piera passiert war. Dann erzählten sie uns, dass sie oben am Band, wo man hinüber zum Einstieg quert plötzlich Hüfttief im Pulverschnee steckten und deshalb umgedreht waren. Was für eine gute Entscheidung.


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Quelle: Eiskletterführer Südtirol - Dolomiten (Panico Verlag)


GPX Daten:

Jumbo Jetgpx


Tags: Eisklettern, Südtirol, Dolomiten, Langental, Jumbo Jet

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