La Meije - Überschreitung (D-)

Aktualisiert: Feb 3


Perfekt akklimatisiert und nach wie vor Top motiviert kamen Armin und ich direkt von Chamonix in La Grave an. Nachdem wir im Mont Blanc Gebiet über die Domes du Miage und Aiguille du Bionnissay über die sogenannte Royal Traverse auf den Mont Blanc gestiegen sind. An diesem Morgen waren wir noch über den Cosmique Grat auf die Aiguille du Midi geklettert um anschließend mit dem Auto hierher in die Dauphine zu kommen – dem Karakorum der Alpen – wie dieses Gebirgsmassiv oft genannt wird.


Wir quartierten uns für eine Nacht in einem Hotel direkt an der Hauptstraße ein um am nächsten Tag mit der ersten Gondel von La Grave bis auf 2.400 mt. zu fahren. Hier beginnt der bereits recht anspruchsvolle Zustieg zur Promontoire Hütte. Zunächst entlang von Wiesen etwas absteigend und noch ganz einfach in südliche und danach östliche Richtung gelangt man auf 2.350 mt.



Dort trifft man auf eine markante Felsrippe über welche immer mal wieder mit Unterstützung der Hände höher geklettert wird. Auf 3.000 mt. erreicht man schließlich den Gletscher Glacier de la Meije direkt unterhalb des Berges der diesem Gletscher zu seinem schönen Namen verholfen hat.



Jetzt gilt es die Einschartung Breche de la Meije auf 3.357 mt. zu erreichen, welche sich im Aufstiegssinn rechts neben dem westlichsten Meije Gipfel, der Grande Doigt, befindet. Der Übergang vom Gletscher auf den ausgeaperten Felsübergang kann an der Randspalte oft etwas mühsam sein. Hinter der Scharte klettert und seilt man wieder bis zu einem Schneefeld ab und erreicht in kürze die Promontoire Hütte.

Hier hat der Hüttenwirt Freddy das sagen und führt diese kleine Hütte auf eine sehr sympatische Art und Weise. Am Abend gibt’s vor dem Essen bei einem Aperitiv einige Infos zum Wetterbericht und zusammen wird eine Startzeit für den nächsten Tag ausgemacht. Eine der Küchengehilfinnen übersetzt für uns auf englisch: Gewitter bereits am frühen Nachmittag zu erwarten, deshalb Frühstück bereits um 2 Uhr. Bei einer Zeitangabe von 12-15h für die Tour im Führer brauchen wir nicht lange rechnen. Wir werden vollgas geben müssen und zudem den größten Teil bis zum Grande Pic in kompletter Finsternis klettern. Eine 900 mt. hohe Felswand bei der es auch am Tag nicht so einfach ist die richtige Route zu treffen. Das wird ein Spaß.


Der Wecker klingelt, 2 bissen Brot bringen wir runter und 5 Minuten später stehen wir bereits vor der Hütte - bereit zu starten. Unser Plan: wir hängen uns direkt an die erste Seilschaft, da die anderen beiden Seilschaften mit Bergführer unterwegs sind und diese den Weg kennen, halten wir das für die beste Lösung.



Die ganzen Passagen „Campement des Demoiselles“, „Couloir Duhamel“, „Pyramide Duhamel“, „Dalle Castelnau“, „Dalle des Autrichians“, die wir aus den Topos kennen fliegen in der Dunkelheit nur so an uns vorbei und als es dämmerst sind wir bereits oberhalb des Glacier Carre auf dem Weg zum Gipfel, den wir bei Sonnenaufgang erreichen. Dieser Sonnenaufgang war von der Stimmung her einer der schönsten die ich in den Bergen erlebt habe und in Kombination mit diesem traumhaften Gipfel und dieser grandiosen Tour wird mir dieser Moment ewig in Erinnerung bleiben.


Doch die Tour ist noch lange nicht zu Ende. Aber jetzt wissen wir, dass wir alles innerhalb des Zeitfensters für die Gewitter schaffen werden. Als nächstes wird in Richtung Nordosten abgeseilt bis zur Eispassage, wobei die Dent Zsygmondi umgangen wird. Dieser Abschnitt ist sogar mit Drahtseilen abgesichert.




Die nächsten Grattürme werden alle in bestem Fels und genussvoller Gratkletterei überklettert. Plötzlich stehen wir am letzten Gipfel: dem Doigt de Dieu. Es ist erst 9 Uhr. Wir werden zu euphorisch und die Konzentration fällt ab. Das wird uns beinahe zum Verhängnis als ausgerechnet beim letzten Abseiler hinunter auf den Gletscher ein Teil des Standes ausbricht und der Felsbrocken direkt auf Armin zusteuert. Dieser weicht aus, so gut er kann und verletzt sich zum Glück „nur“ ordentlich am Finger. Hier hatten wir nochmal ordentlich Glück und stellen wiedermal fest: Die Tour endet definitiv nicht am Gipfel.

Wir steigen direkt an der Refuge de L'Aigle vorbei weiter ab bis ins Tal und finden während des Abstiegs auch direkt eine Mitfahrgelegenheit zurück nach La Grave.

Die Aussicht auf unser eigenes Bett noch am selben Abend ist so verlockend, dass wir – oder besser gesagt Armin – noch die komplette Heimfahrt von immerhin nochmal 8 Stunden auf sich nimmt. Und das nach einer Hammertour wie dieser. Die angekündigten Gewitter am frühen Nachmittag erleben wir somit bereits im Auto auf dem Heimweg von dieser perfekten Woche in Chamonix und in der Dauphine.


Tags: Hochtour, Alpinklettern, Frankreich, Westalpen, Dauphine, La Meje, Überschreitung, Traverse

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