Moonwalk (WI6/M7)

Aktualisiert: Feb 3



Bei einer Skitour am Silvestertag auf die Alpeiner Scharte von Innervals (Gasthof Touristenalm) ausgehend hat man lange Zeit die Wand der Hohen Warte, direkt neben der Sagwandspitze zu beobachten. Schnell war klar, dass die Eisspur des Moonwalk in diesem Jahr super zusammengewachsen war. Die Schlüsselstellen, die von den Erstbegehern mit M7 und WI6 bewertet wurden, hatten dermaßen viel Eis, dass wir von erheblich geringeren Schwierigkeiten ausgehen konnten.



Am 03. Jänner standen wir erneut am Parkplatz des Gasthof Touristenalm. Diesmal zwar wieder mit Ski, aber auch mit Seil, Steigeisen, Eisgeräten, Eisschrauben und Friends gerüstet.


Wir wussten, dass es der letzte Tag der Weihnachtsferien werden wird, wo wir diese Linie klettern können, da für die kommende Nacht Schneefälle vorhergesagt waren und die Lawinengefahr bei dieser Tour definitiv zu beachten ist.



Nach rund 1.5 Stunden Zustieg standen wir noch immer im Schein unserer Stirnlampe am Einstieg. Wir hatten aufgrund der Länge der Route und der Zeitangaben mit der Zeitplanung wohl etwas zu großzügig gerechnet. Egal, es sollte sich definitiv lohnen, da wir ca. eine Stunde hinter uns bereits die Lampen der nächsten Seilschaft sehen konnten.



So ging es für Thomas im Stirnlampenlicht die erste Länge (55mt. – WI4) nach oben. Wir kletterten als Dreierseilschaft, mit der Idee, dass der dritte Mann bereits beim Aufstieg die Eissanduhren für die lange Abseilerei vorbereiten kann. Viele waren die Linie in dieser Saison noch nicht geklettert. Das liegt vor allem daran, dass bisher niemand die super Bedingungen gepostet hatte. Trotzdem blieb uns das bohren von Abalakovs erspart, da bereits alles fürs Abseilen eingerichtet war. Am ersten Stand sogar noch mit Eisschraube, Bandschlinge und Karabiner hintersichert.



Nach der ersten Länge folgten erstmal 150mt. Schneestapferei, bevor es in den langen und steilen Eisfall geht, der uns für die nächsten 3 Längen beschäftigen sollte. Die erste Länge war noch relativ flach (WI4 - 50mt.), bevor es in der der darauffolgende Länge anhaltend steil wurde. Das Eis war super zum Klettern und auch perfekt absicherbar. Trotz der anhaltenden Steilheit deshalb aber kaum schwieriger als WI5. Aber lang mit wieder fast 60mt. Die nächste Länge hatte dann nochmal einen etwas Kürzeren und gefühlt nochmal steilen Aufschwung, den Thomas ebenfalls souverän löste (WI5 – 50mt.) bevor sich das Gelände wieder zurücklegt und eine lange Schneestapfpassage mit kurzen leichten Eisaufschwung auf uns wartete (300mt.).





Nun folgte die erste Mixedlänge. An der Stelle wo laut Topo bei der Erstbegehung ein WI5 Wasserfall stehen sollte war alles trocken. Über einer mit etwas Schnee bedeckten Rampe (M5) gelangten wir in das nächste Schneefeld. Nochmal knapp 200mt. Stapften wir nach oben. Die gesamte vorletzte Seillänge war unter einer Schneedecke verborgen. So blieb uns nur mehr eine Mixedlänge, die sich ebenfalls als ziemlich gutmütig erwies (M4-5) um bis auf die Scharte zu gelangen. Die Länge machte nochmal richtig Spaß, da die Eisgeräte perfekt in das harte Moos versenkt werden konnte als würde man inmitten der Felsen Eisklettern.





Auf der Scharte angelangt machten wir eine kurze Mittagspause, bevor wir uns an die lange Abseilerei machten. Die ersten beiden Längen sind mit Bohrhaken eingerichtet. Es folgt die Schneestapfpassage zu einem weiteren Spitstand über welchen wir den nicht vorhandenen WI5 Fall abseilten (der Stand ist etwas ungünstig, da man mit 60mt. nicht ganz bis aufs Schneefeld kommt und die letzten Meter unschwierig abklettern muss. Hier begegneten wir 3 nachfolgenden Seilschaften. Die letzte der 3 Seilschaften entschied sich kurzerhand mit uns den Abstieg anzutreten.




Wir taten uns mit den beiden Allgäuern zusammen, und waren in Null-Komm-Nichts sowohl über die kurze Eispassage im langen Schneefeld, als auch über die 3 Abseiler am langen Wasserfall und dem letzten Abseiler über den ersten Eisaufschwung am Einstieg.



Wir schnallten unsere Skier an und waren in wenigen Minuten wieder beim Auto. Eine super Linie, die bei diesen Verhältnissen weit unter den angegebenen Schwierigkeiten der Erstbegeher liegt. Die Schlüssellängen waren bei unserer Begehung definitiv die beiden Steilen langen und pumpigen Eislängen. Zudem war es ein super Nordwandtraining bei den langen Stapfpassagen.



Topo "Moonwalk":

Quelle: www.bergsteigen.at



Tags: Eisklettern, Österreich, Nordtirol, längste Eislinie Österreichs, Sagwandspitze, Hohe Warte, Moon Walk

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