Ortler - Normalweg (PD+/III)



Der Ortler ist mit seinen 3.905 Metern der höchste Berg Tirols. Bis zur Abtrennung Südtirols von Österreich im Jahre 1919 war er sogar der höchste Gipfel der Donaumonarchie. Kein Wunder also, dass Erzherzog Johann von Österreich 1804 höchst Persönlich den Befehl erteilt hatte, diesen Gipfel zu erklimmen. Er beauftragte Johannes Gebhard, einen seiner Beamten mit der Organisation und Durchführung dieses Plans. Die beiden erfahrenen Bergsteiger Johann Leitner und Johann Klausner versprachen Ortskundigen Geld, wenn sie zusammen mit ihnen einen Weg auf den Gipfel finden. Mehrere Versuche im Bereich des heutigen Normalweges scheiterten. Bis sich schließlich Josef Pichler, ein Gamsjäger aus Schluderns, vorstellte. Er erlangte Gebhards Vertrauen mit dem Angebot, die Belohnung nur im Falle eines Erfolges zu verlangen. Und tatsächlich führte er die Seilschaft auf den Gipfel. Seine Route von Trafoi aus über die Hinteren Wandln galt als herausragende alpinistische Leistung im III. Schwierigkeitsgrad, wurde später jedoch aufgrund ihrer Brüchigkeit und Gefährlichkeit nur mehr selten geklettert.


Erst 1865 führte Johann Pinggera den Kartographen Julius von Payer über den leichtesten Weg, der heute auch der Normalweg ist, von Sulden aus auf den Ortler. Payer fertigte in der Folge auch die ersten genauen Karten des Ortlers und seiner Umgebung an. Über den Spuren Pinggeras und Payers sollte auch unsere Besteigung erfolgen.



Anders als damals dient uns heute die Payerhütte als gemütlicher Stützpunkt um die Tour auf zwei Tage aufzuteilen. Wir starten zu Mittag zu Hause, sind um 15 Uhr in Sulden und steigen gemütlich zur Hütte auf. Pünktlich zum Abendessen, das dieses Jahr aufgrund des Coronavirus in 2 Schichten erfolgen muss, sind wir auf der Hütte. Das Wetter spielt an diesem Tag noch nicht wirklich mit, es regnet und Nebel verdeckt die Sicht auf den Gipfel. Die Prognosen für den nächsten Tag jedoch sind mehr als vielversprechend.



Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Bereits eine Viertelstunde vorher schalten jedoch die Lichter in den Zimmern ein und die erste Schicht frühstückt etwas zeitiger. Um viertel nach 5 sind auch wir mit unserer Schicht dran, ohne Eile lassen wir den Tag beginnen und sind um 6 Uhr startbereit vor der Hütte.



Der Weg verläuft hinter der Hütte auf deutlichen Pfadspuren rechts an der Tabarettaspitze vorbei und in einem ständigen auf und ab, mal einfach zu klettern, dann wieder im Gehgelände, entlang des Grates in südliche Richtung dem Gipfel entgegen. Das Tschierfeckwandl stellt die Schlüsselstelle des Normalwegs dar. Ca. 60 Meter geht es mit Eisenketten versichert im III. Grad hinauf auf den Gratturm.


Der Grat wird breiter und schaut einfacher aus als er dann ist. Über abschüssige Platten geht es etwas ausgesetzt weiter. Auch hier sind Stifte zum Sichern und beim Abstieg zum Abseilen vorhanden. Nach einem kurzen Gehgelände gilt es ein kurzes trittarmes Wandl zu queren. Mit Drahtseilen gesichert und mit zusätzlichen Eisentritten entschärft jedoch unproblematisch.



Danach gelangen wir auf den Gletscher. Hier gibt es einen angenehmen Platz zum Anziehen der Steigeisen. Wir befinden uns im Bärenloch, ein Gletscherbecken unterhalb des Lombardibiwaks. Unter den Eisabbrüchen links geht es steil eine oft blanke Rinne hinauf auf den oberen Ortlerferner. Der folgende Aufschwung ist recht spaltenreich und oft sind die Löcher nur durch eine vorhandene Leiter zu überwinden. Dieses Jahr herrschen nach wie vor ideale Bedingungen. Keine blanken Stellen und die Spalten noch ordentlich unter stabilen Schneebrücken versteckt.


Sobald wir den Aufschwung hinter uns gebracht haben wird’s flacher und der Gipfel ist nicht mehr weit. In einem großen Rechtsbogen geht es an den mächtigen Spalten die durch die Seracs oberhalb der Ortler Nordwand gebildet werden bis zum letzten kurzen Gipfelaufschwung. Nach 3 ½ Stunden ab der Payerhütte stehen wir am Gipfel. Das Wetter ist perfekt, 2 Paragleiter treffen die letzten Startvorbereitungen und schweben kurze Zeit später über den Gletschermassen des Oberen Ortlerferner in Richtung Nordwand davon. Nur zu gerne würden wir mit ihnen tauschen.


Eine Stunde sitzen wir am Gipfel. Die Sonne scheint und es weht kein Lüftchen. Wir schießen unsere Gipfelfotos und kommen den vielen Wünschen nach auch für andere Seilschaften ein Foto zu machen, bevor wir uns an den Abstieg machen.


Beim Abstieg ist deutlich mehr los als im Aufstieg. Auch jene, die den Hintergrat geklettert sind steigen über den Normalweg wieder ab. Zügig kommen wir vom Gletscher in der Aufstiegsspur wieder runter. Beim Biwak gibt es eine Schlinge um die steile Eisrinne hinunter in das Bärenloch abzuseilen. An den Schlüsselstellen auf dem Grat staut es leicht, bei diesem Wetter ist uns das jedoch komplett egal und wir genießen die Sonne und das gemächliche Tempo zurück zur Payerhütte.



Auf der Hütte staunen wir nicht schlecht wie viele Tagestouristen diese Hütte anzieht. Hunde werden in Handtaschen bis zur Hütte getragen und es wimmelt nur so von italienischen Touristen die sich an den etwas ausgesetzteren Stellen des Hüttenzustiegs schon sichtlich schwer tun. Es ist zwar der 15. August, der Tag, an dem ganz Italien Urlaub hat, und dennoch waren wir der Meinung zumindest hier oben vor den Menschenmassen sicher zu sein. Auf dem Gletscher war es dann doch deutlich ruhiger und angenehmer.


Infos zur Tour


Höhenmeter Gesamt: 2.100 HM

Zustieg Payerhütte: 3 Stunden

Payerhütte - Gipfel: 3-5 Stunden

Abstieg bis Sulden: 5 Stunden

GPX Daten:

Ortler
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Tags: Hochtour, Ortler, Südtirol, Normalweg, Sulden, Topo, Info, Wegbeschreibung, GPS Daten, GPX

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