Sass Ciampac - Solarium (VI-)

Aktualisiert: Feb 3


Auch heuer meint es das Wetter im Oktober gut mit uns, sodass wir ähnlich wie im Jahr zuvor die Dolomiten nochmal richtig genießen können und im T-Shirt die im Herbst so ruhigen Berge voll auskosten können.

Allerdings haben wir heute kein Glück in Bezug auf Ruhe und allein sein. Ein paar Schritte haben wir vom Zustiegsweg am Grödner Joch erst hinter uns gebracht, da kommen auch schon 2 Italiener rechts von der Straße herauf. Wir reihen uns direkt vor ihnen ein und fragen scheinheilig was sie geplant haben: Solarium. Zum Glück sind wir vor ihnen. Wie langsam Seilschaften sein können, haben wir öfters schon erleben müssen.


Nach einer halben Stunde ist ober uns der Einstieg. Wir sehen bereits von unten noch eine Seilschaft, die gerade beim Starten ist. Es wird wohl doch nichts mit einem ruhigen Klettersonntag. Eingekesselt zwischen zwei italienischen Seilschaften dürfte von Ruhe nicht viel zu spüren sein.




Ich hatte am Tag zuvor noch einen leichten Groll auf Armin, weil er mit mir nur diese „Halbtagstour“ gehen wollte und nicht eine längere. Jetzt könnte es doch eine längere Tagestour werden.


Die erste Seillänge ist zum Einstieg bereits ordentlich steil und es gilt gleich zu klettern, ohne lange Aufwärmzeit.



Zwar sind die ersten beiden Längen noch etwas grasig, aber mit schönen Kletterpassagen dazwischen. Noch besser wird dann die 3. Seillänge, wo es entlang einer riesigen Schuppe ordentlich steil zur Sache geht und die sich in toller Kletterei auflöst, ohne extrem schwierig zu werden, wie es beim bloßen hinschauen zu befürchten wäre.

Die Seillänge danach ist dann etwas fordernder, weil auch das Gestein nicht immer zu 100% vertrauenserwürdig ist. Lässt sich entlang der Rissverschneidung aber super absichern. Danach geht es 3 Seillängen genussvoll und immer steil dahin, bis nochmal eine knackige Einzelstelle in der 9. Seillänge im VI. Grad zu bewältigen ist.


Die italienische Seilschaft vor uns ist erfreulich flott unterwegs, ebenfalls jene hinter uns. Ohne uns im Weg zu stehen und warten zu müssen, treffen wir uns an den Ständen und es entstehen kurze aber interessante Gespräche. Entgegen unserer anfänglichen Angst, dass es ehern frustrierend sein könnte, wenn wir den halben Tag im Stau stecken, haben wir tatsächlich einen genussvollen Rocktobertag – im T-Shirt selbstverständlich.



Am Ende folgen noch einige schöne und nicht mehr schwierige Seillängen bis zum Ausstieg, wobei es in der 10. Länge eine zweite Variante nach rechts geben muss, die in den Topos beider italienischer Seilschaften eingezeichnet ist. Wir klettern über schöne Platten nach links und treffen die von rechts hochkommenden Italiener eine Länge später wieder auf derselben Linie.


Eine schöne und empfehlenswerte Route über 14 Seillängen, die sich im Oktober bei Sonnenschein in der angenehm warmen Südwand des Sass Ciampac so richtig genießen lassen. Der Groll auf Armin war längst verflogen, und die „Solarium“ als Halbtagestour zu bezeichnen wird der Route absolut nicht gerecht. Es ist natürlich mit seinen konstant im IV. – V. und VI. Grad verlaufenden 14 Seillängen eine schöne Tagestour und am Abend darf man sich das Bier wohlverdient schmecken lassen.




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Tags: Alpinklettern, Südtirol, Dolomiten, Herbst, Grödnerjoch, Sass Ciampac, Solarium

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