Seiser Klamm - Skitour



Wie eine Festung aus Fels thront der Schlern über der Ortschaft Seis. Ein Bollwerk aus Dolomitgestein, das eher die Kletterer anzieht - weniger die Skitourengeher. Wenn an den - auch im Sommer recht ruhigen - Felswänden komplette Stille herrscht und die "Stand" oder "Molla tutto" Rufe der Kletterer längst verstummt sind, zieht es dennoch einige mit ihren Skiern an den Schlern. Vor allem eine tiefe Schneise, die das Schlernmassiv in zwei Teile zu teilen scheint, hat es ihnen angetan. Die Seiser Klamm. Längst ist sie kein Geheimtipp mehr, wen wundert das auch, wenn jeder diese markante Rinne direkt vom Dorf aus sehen kann. Es braucht nicht viel Phantasie um hier auf die Idee zu kommen auch im Winter mal hochzusteigen.



Einige Jahre ist es inzwischen her, dass ich diese Rinne zum ersten mal besucht habe. Wie es in den Dolomiten einfach der Fall ist, sind gewisse Touren nicht in jedem Jahr machbar oder präsentieren sich bei zumindest halbwegs guten Bedingungen. In einem Winter wie diesem, mit derart viel Schnee, ist das Angebot und die Möglichkeiten jedoch schier endlos. Eine lange Anreise habe ich nicht, so verschiebe ich meine Schicht zum wiederholten Male in diesem Winter etwas nach hinten und starte zusammen mit Armin und Fabian hinauf nach Seis.





Ausgangspunkt ist die Talstation der Kabinenbahn auf die Seiser Alm. Hinter der Aprés Ski Kneipe Santners befindet sich ein großer Parkplatz. Ab hier geht´s zu Fuß weiter. Man hat im Grunde zwei Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die Variante auf dem Forstweg zu bleiben, der vom Parkplatz bis zur Ruine Hauenstein führt und gegen die Variante, die vorbei an der Ruine Salegg führen würde. Der tiefe Ausgangspunkt auf 1.000 Metern ist schuld daran, dass hier recht bald kaum mehr Schnee liegt. Auf dem Forstweg bleibt er zwar länger liegen, trotzdem treffen wir auf 2-3 apere Passagen.




Es geht vorbei an der Ruine und bis ans Ende des Forstweges. Danach geht es durch den Wald in Richtung Santner. Dabei immer links vom Bachgraben bleiben (in Aufstiegsrichtung gesehen). Erst etwas unterhalb der Felswand quert man in den Graben hinein und befindet sich direkt in Falllinie der Rinne.





Im unteren Teil ist sie noch recht breit. Wir bleiben etwas an der rechten Flanke um nicht im Bachbett durch das Labyrinth aus großen Felsbrocken navigieren zu müssen. Irgendwann wird uns das gequere rechts zu steil und ungemütlich. Zudem scheint es direkt im Bachbett besser zu gehen. So geht es eine Weile dahin, bis die Rinne dann auch endlich zu einer Rinne wird (1.950 Meter). Es wird etwas enger. Dennoch kann man immer noch gut mit den Skiern aufsteigen. Am Ende dieser ersten Verengung wird es uns dann wieder zu steil und wir stapfen die restlichen Meter bis in das große Amphitheater zu Fuß, mit den Skiern auf dem Rücken, hoch.



Der Blick öffnet sich wieder, ein wunderschönes rötliches Amphitheater taucht vor uns auf. Hier gibt es einige schöne Wasserfälle für Eiskletterer, von denen momentan jedoch nur noch wenige Reste übrig sind. Inmitten des Felsriegels geht unsere Rinne weiter. Ein letztes kurzes und enges Stück, das wir mit den Steigeisen zurücklegen bringt uns in den abschließenden Trichter. Hier hat sich das ganze Wasser gesammelt, das über Jahrtausende diese Klamm in den Fels geschnitten hat. Ein gefährlicher Ort wenn in den Tagen zuvor frischer Schnee und Wind im Spiel waren. Große Wechten zeugen davon, dass das hier öfters der Fall sein muss.




Sobald man diesen Trichter verlassen hat, steht man auf dem fast flachen Plateau des Schlern. Von hier sind es nur noch etwa 10 Minuten auf den höchsten Punkt, den Petz (2.563 Meter). Dazu muss man sich lediglich am Ausstieg aus der Rinne in Richtung Osten wenden. Nach einigen Schritten taucht das Gipfelkreuz auf.





Die Abfahrt geht wieder zurück durch die Rinne. Die schmale Stelle gleich zu Beginn ist dabei die Schlüsselstelle. Es ist nicht nur die engste-, sondern gleichzeitig auch die steilste Stelle der gesamten Tour. Wer diese Stelle meistert, wird auch mit der restlichen Abfahrt keine all zu großen Probleme mehr haben. Stürzen ist dennoch keine gute Idee. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir wieder am Parkplatz und der zweite Teil des Tages, nämlich die Arbeit, kann beginnen.




GPX Daten:

Schlern - Seiser Klamm
.gpx
Download GPX • 69KB


Tags: Skitour, Südtirol, Dolomiten, Seis, Schlern, Seiser Klamm


84 Ansichten
vertical_on_transparent_by_logaster (2)_

Andreas Brunner Georg Plattner Str. 12  39040 Feldthurns

  • Weiß Instagram Icon