SKITOUREN

10 Tipps und Tricks für deine ersten Schwünge im Pulverschnee

Skitouren werden immer beliebter. Das Erlebnis der Berge im Winter hat einen ganz besonderen Reiz. Wer einmal die überfüllten Touristenhochburgen in den Skigebieten verlassen hat und sich die Mühe macht, selbst auf einsamere Gipfel aufzusteigen, den lässt das Fieber nur selten wieder los. Sicher ist der Schnee nicht immer gut, die Aufstiege oft anstrengend und kräftezehrend und das Risiko abseits der präparierten Pisten ist höher. Mit den 10 Tipps bekommst du aber eine gute Basis für den Einstieg in diese Sportart mit hohem Suchtpotential.

 

Bevor du drauf los liest schau dir am besten vorher dieses kurze Video an, zur Auflockerung:

1. Skifahren lernen

Hauptkriterium damit eine Skitour überhaupt Spaß machen kann ist ein halbwegs brauchbares skifahrerisches Können. Schöne Schwünge von präparierten Pisten auf den Tiefschnee zu übertragen ist jedoch nicht so einfach. Wirklich starke Skifahrer, die sauber auf dem Ski stehen werden das schnell hinbekommen. Der Rest benötigt einiges an Übung bis es so locker und geschmeidig ausschaut wie bei den alten Hasen. Damit du also nicht auf dem Gipfel stehst und mit der Abfahrt der anstrengende Teil noch bevorsteht, kommen wir direkt zu Tipp Nummer 2:

 
2. Sammle viele Meter im Tiefschnee - am effektivsten in der Nähe von Pisten

Die Überschrift sagt schon alles. Das Einzige das dich wirklich weiter bringt sind viele Meter im Tiefschnee. Wenn du nach einem anstrengenden Aufstieg mit müden Beinen zurück ins Tal "mergelst", ist das einfach nicht so effektiv, wie wenn du in ein Skigebiet gehst, und abseits der Pisten unzählige Fahrten machst bis die Wadl brennen. Es empfiehlt sich hier ein paar Tage im Winter zu investieren. Das beschleunigt den Lernprozess ungemein und die Fortschritte, die sonst über Jahre nur langsam sichtbar sind, können innerhalb einer Saison locker übertroffen werden.

Wichtig aber in beiden Beispielen: Die Sicherheit. Darauf kommen wir in Tipp Nummer 3 zu sprechen. Egal ob du einen Meter neben der Skipiste bist oder komplett im freien Gelände, der Schnee birgt auch Gefahren:

 
3. Du entscheidest

Nichts ist verlockender als ein tief verschneiter und unverspurter Hang. Und je steiler desto geiler ist es sowieso. Skitouren sind vielleicht die schönste Art Berge zu besteigen, denn anstelle des mühsamen Abstiegs wedelt man genüsslich zurück ins Tal. ABER Skitouren erfordern auch einiges an Erfahrung. Ein langsames Herantasten an die Materie Schnee und ein Lawinenlehrgang sind nicht verkehrt. Das ganze Thema ist komplex, kompliziert und schwierig zu beurteilen. Es gibt viele Lehrmeinungen, Auslegungsmöglichkeiten und Methoden zur Bestimmung der Lawinengefahr. Es gibt aber niemanden der dir zu jeder Zeit sagen kann welcher Hang hält und welcher nicht. Fakt ist: In diesem Bereich hast du nie ausgelernt. Entscheidest du in einen Hang einzufahren gibt es nur zwei Möglichkeiten: Er hält oder er hält nicht. Je mehr du über das komplexe Zusammenspiel von Schnee, Wetter, Wind, Temperaturen, Gelände und viele andere Faktoren die es zu beachten gilt gelernt hast, desto bessere Entscheidungen wirst du in der Lage sein zu treffen. Eine Garantie, dass die Entscheidungen immer richtig sind gibt es nicht. Sollte sie einmal falsch sein, hoffe ich, dass du Tipp Nummer 4 befolgt hast:

 
4. Besser nicht allein auf Skitour unterwegs

Im Falle einer fatalen Fehleinschätzung kommt es zum Lawinenabgang. Eine Person wird verschüttet. Die Einzige wirkliche Überlebenschance sind die Tourenpartner. Wichtig zu wissen: In den ersten 15 Minuten überleben 90% der Verschütteten. Weitere 15 Minuten später leben davon nicht mal mehr die Hälfte. Dann sind erst 30 Minuten vergangen. Bis die Bergrettung vor Ort ist und mit der Suche beginnt ist es in den Allermeisten Fällen längst zu spät. Bist du sogar nur allein unterwegs wird man dich frühestens nach 2 Stunden vermissen. Extremfälle wo Personen auch nach mehreren Stunden lebend geborgen werden gibt es, besser wäre es aber auf einen 6er im Lotto zu hoffen. Also entscheidend sind die ersten 15 Minuten und da helfen dir nur deine Tourenpartner und das richtige Equipment:

 
5. Keine Chance ohne LVS, Schaufel und Sonde

Ohne die komplette Notfallausrüstung, zu der ein LVS Gerät (LawinenVerschüttetenSuchgerät), eine Schaufel sowie eine Sonde gehören, gibt es kaum eine Chance eine komplett verschüttete Person innerhalb der alles entscheidenden 15 Minuten zu finden und auszugraben. Fehlt ein LVS Gerät muss mit einer Sonde gesucht werden. Wie gering die Chance auf einen zufälligen Treffer ist muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Ohne Sonde kann nach dem lokalisieren mit dem LVS Gerät keine Feinsuche gemacht werden und jeder Zentimeter harter zusammengepresster Schnee der umsonst beiseite geschaufelt wird kostet viel zu viel wertvolle Zeit. Ohne Schaufel vergeht noch viel  viel mehr davon. Bevor du dir also Gedanken über den besten Schuh, den leichtesten Ski und das effizienteste Fell machst, sollten die Gedanken ehern an das beste LVS Gerät, eine ordentliche Schaufel und eine sinnvolle Sonde gerichtet werden. Und natürlich nutzt das Neueste und Modernste Zeug nichts ohne Tipp Nummer 6:

 
6. Suchen und ausgraben üben

Die Panik und Hektik nach einem Lawinenabgang ist groß. Jetzt einen kühlen Kopf bewahren und erstmal nachdenken müssen was zu tun ist wird schwierig. Besser der Ablauf wurde vorher schon zig Male geübt und trainiert und läuft fast automatisch ab. Wenn du auf Skitour bist, die Sonne scheint und es noch früh am Nachmittag ist: Warum nicht schnell eine LVS Übung machen? Nutze jede Gelegenheit um die Suche zu üben damit im Ernstfall jeder sofort weiß was zu tun ist. Spielt alles direkt vom Abgang der Lawine in der richtigen Reihenfolge durch.

 

Eine genauere Beschreibung der Vorgehensweise findest du der besseren Übersicht wegen in diesem Artikel.

 
7. Wähle das Material das zu dir passt

Hier scheiden sich die Geister: Die einen schwören auf Gewicht, die anderen wollen den maximalen Spaß bei der Abfahrt. Der Markt ist riesig und die Auswahl des richtigen Materials schwierig. Wie breit soll der Ski sein? Wie lang? Wie hart? Gerockert? Wieviel Vorspannung? Drei Schnallen oder vier Schnallen am Tourenschuh? Bindung mit oder ohne Stopper? Haft- oder Klebefell? Und dann sind wir erst bei der Ausrüstung die du an den Füßen trägst...

Fragst du 5 Skitourengeher bekommst du 5 verschiedene Meinungen. Jeder schwört auf etwas anderes. Es gibt mehrere Geschäfte die anbieten, eine Ausrüstung für einen Winter zu leihen. Dazu gibt es die Option diese am Ende der Saison bei Bezahlung eines Restbetrags zu kaufen. Somit hat man die Möglichkeit ein Paket zu probieren und zu testen wie man damit zurechtkommt ohne gleich einen vierstelligen Betrag in den Wind zu schießen.

 

Empfehlenswert ist am Anfang sicherlich ein Mittelweg zwischen leichtem schmalen Aufstiegsski und einem breiten Powderschwert. Wenn du nicht auf reines Freeriden aus bist und obendrauf ein exzellenter Skifahrer, kannst du auf Rahmenbindungen verzichten. Am Anfang kann es schwierig sein den kleinen Pins zu vertrauen. Dafür sind sie im Aufstieg um Welten angenehmer. Wenn du möchtest kannst du auch Pin Bindungen blockieren, dass sie sich nicht mehr öffnen. Zum Beispiel in Steilwänden. Bei den Skischuhen hilft es nur zu probieren welcher zu deinem Fuß passt. Das ist der wichtigste Teil der Skiausrüstung. Hast du in deinem Schuh schmerzen macht das Skitourengehen keinen Spaß mehr. Grundsätzlich gilt: Je mehr Schnallen desto stabiler ist er in der Abfahrt. Allerdings auf Kosten des höheren Gewichts. Harscheisen sind immer von Vorteil. Nicht nur im Frühjahr, auch im Winter kann ein Kamm oft dermaßen abgeblasen und hart sein, dass es ohne Harscheisen schnell ungemütlich wird. Tendenziell werden sie aber ehern im Frühjahr gebraucht. Als Rucksack reichen 20-25 Liter vollkommen aus. Wer auf Ordnung steht, schaut ob der Rucksack ein eigenes Fach für die Schaufel und die Sonde hat. Eine Halterung um die Ski zu montieren ist ebenfalls wichtig. Dabei ist egal ob beide hinten schräg oder jeweils einer seitlich am Rucksack befestigt werden.

Und damit hast du bereits die erste von vielen Meinungen zum Thema "Was ist die beste Ausrüstung für Skitouren".

 
8. Plane deine Tour sorgfältig

Bei der Planung und Auswahl der Tour solltest du zunächst das Wetter und die Lawinengefahr berücksichtigen (wie ist der Lawinenlagebericht aufgebaut). Anhand des Berichtes kann die Tourenmöglichkeit bereits stark eingeschränkt werden. Schau dir die zu erwartenden Hangneigungen auf der Karte an. Hier solltest du unbedingt auch darauf achten was neben der Aufstiegs- und Abfahrtsspur ist. Liegt die Spur im Einflussbereich von steilen Hängen? Welche Ausrichtung haben sie? Vor allem im Frühjahr ist eine entsprechende Zeitplanung und frühes Aufbrechen enorm wichtig. Im Artikel über Lawinen wird das Thema ausführlicher behandelt. Welche Strecke und Höhenmeter sind zu machen? Wie lange werden wir dafür brauchen? Ausgehend vom schwächsten Mitglied der Gruppe. Ist der Ausgangspunkt mit dem Auto im Winter überhaupt erreichbar? Viele Fragen gilt es vor dem Tourenstart zu klären. Weitere Tipps zur Tourenplanung findest du hier. Gerade für Anfänger ist es ratsam deine ersten Touren mit einem erfahrenen Skitourengeher zu planen. Womit wir bereits bei Tipp Nr. 9 wären:

 
9. Geh mit erfahrenen Skialpinisten

Am Anfang ist es sehr empfehlenswert, wenn du dich einem erfahrenen Kollegen anschließt. Er kann dir jede Menge Inputs zur Technik im Aufstieg, Spitzkehren und dem richtigen Anlegen einer Aufstiegsspur geben. Das in einem Artikel theoretisch zu erklären ist schwierig. Am besten ist es das draußen in der Natur zu probieren und zu üben oder einen Kurs zu besuchen. Die Aufstiegsspur orientiert sich am Gelände und bezieht nicht nur die Hänge ein auf welchem sie entlangläuft, sondern auch alles was in ihrem Einzugsgebiet liegt. Versuch alles an Informationen herauszukitzeln. Warum hat er diese Tour gewählt? Warum verläuft die Aufstiegsspur so und nicht anders? Wie kann ich bei der Spitzkehre kraft sparen? Redet über den Schnee, gibt es Alarmzeichen für Lawinen? Was liegt unterhalb der sichtbaren Schneedecke? Gibt es mögliche Schwachschichten? Können wir ein Schneeprofil graben? Und so weiter, dir fällt bestimmt noch viel ein. ;) Vielleicht ist dein Tourenpartner genervt, aber viele sind auch froh, wenn über mögliche Gefahren gesprochen wird und Entscheidungen argumentiert und zusammen getroffen werden können. Auf alle Fälle lernst du in diesem Fall am meisten und wirst bald bereit sein selbst eine Skitour zu planen und durchzuführen.

 
10. Sei ständig wachsam und flexibel

Last but not least: Du hast alle 9 Tipps befolgt und bist auf einer von dir geplanten Tour mit Freunden unterwegs: Jetzt ist es wichtig, dass du dich nicht blind auf deine Tourenplanung und den Lawinenlagebericht verlässt. Dieser gibt nur einen groben Überblick über eine allgemein vorherrschende Situation. Jeder noch so kleine Hang muss auf der Tour individuell bewertet werden. Beobachte ständig das Gelände. Ist die Schneebeschaffenheit anders als erwartet? Sind Schwachschichten in der Schneedecke? War über Nacht Wind im Spiel? Gibt es Alarmzeichen? Verändert sich etwas mit zunehmender Höhe? In direkt nebeneinander liegenden Tälern können bereits zwei komplett verschiedene Situationen vorliegen. Schlägt das Wetter um? Sind wir zu langsam, der Schnee weicht auf und wir sind nicht im Zeitplan. Haben wir vielleicht sogar zeitlich falsch geplant? Sei ständig wachsam und flexibel. Beratet euch mehrmals alle gemeinsam, passt die Tour im Gelände ständig auf neue Begebenheiten an und hört auf euer Bauchgefühl.

 

Der beste Skitourengeher ist ein alter Skitourengeher.

 

Das Ganze ist extrem Aufwändig, umfangreich und kompliziert. Lass dir so viel wie möglich zum Thema Lawinen von Experten beibringen. Besuche Kurse und Lawinenvorträge. Ich bin zwar ein begeisterter Skitourengeher seit vielen Jahren, aber meilenweit von einem Experten entfernt. Trotzdem habe ich ein paar zusätzliche Artikel zum Thema Skitouren, Tourenplanung und Lawinen geschrieben, die jeweils etwas mehr ins Detail gehen. Sie sollen dir einen groben Überblick geben und du kannst immer wieder bestimmte Themen nachlesen. Beachte, dass das mein eigenes und zusammengetragenes Wissen ist, mit dem ich aber selbst unterwegs bin und mit dem ich bestens zurechtkomme.

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