Südtirolalpin

© by Andreas Brunner 2019

TOURENPLANUNG

Alpin

Eine ordentliche Tourenplanung garantiert zwar keinen Gipfelerfolg, aber zumindest ein sicheres Heimkommen ohne böse Überraschungen. Was im Vorfeld einer Tour alles beachtet werden sollte und welche Hilfsmittel ihr für eine saubere Planung zur Verfügung stehen, erfahrt ihr in diesem Artikel. Hier wird grundsätzlich auf alpinistisch etwas anspruchsvollere Touren eingegangen, diese Tipps können aber ohne weiteres auf einfachere Bergtouren angewandt werden.

Grundsätzliche Überlegungen

Meist beginnt, bei mir zumindest, alles mit der Idee einer Tour. Ich informiere mich über die Schwierigkeiten und die Gesamtanforderungen und falls ich mich der Tour gewachsen fühle, fange ich mit der genaueren Planung an. Hier gilt es eine Menge Überlegungen über die aktuellen Bedingungen, erforderliches Material, den richtigen Seilpartner, die Strategie, das Zeitmanagement, Wetter und die zu erwartenden Risiken anzustellen. Aber der Reihe nach.

 
Die richtigen Bedingungen

Im Alpinismus geben die aktuellen Verhältnisse oft den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg einer Tour. Die angegebenen Schwierigkeiten gelten in der Regel für optimale Bedingungen. Sind die Bedingungen nicht optimal, steigt der Schwierigkeitsfaktor, die Gesamtanforderungen sowie das Risiko um ein vielfaches. Viele Touren sind oft nur über ganz kurze Zeiträume im Jahr möglich. Hier spielt Erfahrung in der Einschätzung der Bedingungen, sowie auch mal umkehren können eine wichtige Rolle. Doch zum Glück gibt es dank Internet in der heutigen Zeit eine Menge Seiten, Blogs und Portale über die Bergsteiger von ihren Touren und den aktuellen Bedingungen berichten. Was zum einen ein Segen ist, ist gleichzeitig auch ein Fluch: Man sollte sich bewusst sein, dass man selbst nicht der einzige ist, der von optimalen Bedingungen - zum Beispiel in der Nordwand der Königsspitze - liest. Dementsprechend groß ist der Andrang in den veröffentlichten Touren. Dass Informationen aus dem Netz mit einem Mindestmaß an Skepsis beurteilt werden sollten…blablabla… Wohl dem der Verhältnisse selbst einschätzen kann und günstige Bedingungen erahnt bevor diese im Internet landen. Bedenke: Wenn von günstigen Bedingungen in der Königsspitze Nordwand berichtet wird, stehen die Chancen an der Ortler Nordwand, der Trafoier Eiswand oder gar in der Schrammacher Diagonalen vermutlich auch nicht schlecht auf günstige Verhältnisse zu treffen. ;)

 
Planung zu Hause

Sind die Bedingungen günstig, kann mit den Vorbereitungen begonnen werden:

  • Wie wird das Wetter (Tipps und Infos zum Thema Wetter bei der Tourenplanung findest du hier)

  • Welches Material wird benötigt

  • Gibt es Topos, Wandfotos, Bilder oder Texte über die Tour

  • Kartenmaterial und evtl. GPX Daten besorgen

  • Idealerweise wird die Tour in einem Führer beschrieben (auf Aktualität achten – vor allem bei Nordwänden)

  • Gibt es Abbruchmöglichkeiten (abseilen? ausqueren? wieder absteigen?) falls etwas nicht nach Plan läuft?

  • Wie lang ist die Anfahrt? (Startzeit ausmachen)

  • Wie lang der Zustieg?

  • Muss mit einem Biwak gerechnet werden? Falls ja: Mögliche Stellen für ein Biwak?

  • Wie hoch ist das Risiko dass die Tour länger als geplant dauert – zusätzliches Material einplanen.

  • Wo verläuft der Abstieg? Schwierigkeit? Mit nachlassender Konzentration und müden Beinen rechnen.

  • Wo kann ich einkehren das wohlverdiente Bier nach erfolgreicher Tour zu trinken ;)

Im Netz - und in der Bergführer Literatur gibt es jede Menge Informationen über einen Großteil der Touren in den Alpen. Zudem ist es oft hilfreich bei Hüttenwirten oder der lokalen Bergrettung nach Informationen zu Fragen. Hier bekommt man meist eine sehr gute und topaktuelle Auskunft über die Machbarkeit einer Tour oder eventuelle Risiken – z.B. Stein- oder Eisschlag.

Etwas schlechter schaut es in abgelegenen Regionen dieser Erde aus. Hier ist Selbsteinschätzung und Eigenverantwortung gefragt. Auch bei Notfällen – das sollte auf keinen Fall vergessen werden!

 
Das Material

Der Charakter einer Tour gibt vor welche Art von Ausrüstung benötigt wird. Die anzahl an Sicherungsmitteln die man mit sich führen möchte kann individuell sehr stark variieren. Hier ist es wichtig einen guten Kompromiss, zwischen sicher unterwegs und - dem Zeitmanagement zuliebe – schnellen vorankommen zu finden. Alpinisten die einer Tour nicht gewachsen sind, haben oft zu viel Material bei sich und vergessen vorlauter absichern das Weiterklettern, oder sind mit dem falschen Material unterwegs und setzen sich enormen Risiken aus. Hier ist eine gute Information vor der Tour extrem Wichtig um keine bösen Überraschungen zu erleben. Auch ein eventueller Rückzug aus der Tour sollte in Betracht gezogen werden und das Material muss dementsprechend angepasst werden. Auch hier gilt es sich gut zu informieren und nur das mit sich zu führen, was in der Route mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlt.

 
Planung unterwegs

Unterwegs auf Tour gilt es seine Planung zu überprüfen.

  • Stimmt der Weg?

  • Ist das Wetter und die Temperaturen wie erwartet?

  • Wie steht es um meine heutige Verfassung und um die meines Seilpartners?

  • Sind wir im Zeitplan?

  • Sind die Bedingungen wie erwartet?

  • Bin ich den Schwierigkeiten tatsächlich gewachsen?

  • Unvorhergesehene Risiken?

Am Berg ist alles in einer ständigen Wandlung. Die beste Tourenvorbereitung kann in einer bösen Überraschung enden, da sich Berge, Routen und das Wetter ständig ändern und eine flexible Tourenplanung und ständige Beobachtungen erforderlich machen. Wer auch den Rückzug ordentlich geplant hat, hat seine Hausaufgaben gemacht und wird auch wieder sicher nach Hause kommen. Und darum geht es beim Bergsteigen ja hauptsächlich.

 
Persönliche Tipps zur Tourenplanung

Ich verwende sehr gerne Google Earth um mir einen Überblick über das Gelände zu verschaffen. Das hilft mir auch später bei der Orientierung und vor allem für jene die nicht oft mit Karten arbeiten ist es eine sehr gute Übung das Gelände auf einer Karte einzuschätzen und später das Ganze auf Google Earth zu überprüfen. Oft werden wichtige Informationen, z.B. unpassierbare Gräben oder Abgründe, übersehen.

Brauche ich GPX Daten einer Tour weil ich zum Beispiel damit rechnen muss in Nebel zu geraten, verwende ich alpenvereinaktiv.com um diese zu erstellen. Die Seite bietet zudem super Kartenmaterial für Österreich (AV-Karten) sowie die Schweiz (SwissTopo) gratis in der Desktopversion. Im Winter kann eine grafische Anzeige der Hangneigung zusätzlich über die Karten gelegt werden, was eine große Hilfe bei der Skitourenplanung ist.

Gratis Kartenmaterial für Frankreich gibt es in der IGN App.

Zuhause in Südtirol und Italien benutze ich die Tabacco App, diese ist allerdings kostenpflichtig. Hier kann man zum Beispiel den jeweiligen Kartenabschnitt, der für die geplante Tour relevant ist, um 2,30€ kaufen.

 

Nutze die Kommentarfunktion falls du weitere nützliche Tipps für die Tourenplanung hast. Man kann gar nicht genügend Infos zusammentragen bevor man startet. Ist man gut vorbereitet hat man von Anfang an ein besseres Gefühl sobald man unterwegs ist und kann das Bergabenteuer umso mehr genießen.

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